Vier Bücher, die ich diesen Sommer gern gelesen habe

Als Ende Mai die Nachricht vom grausamen Tod George Floyds uns erschütterte und am 2. Juni mein Instagram-Feed für einen Tag schwarz wurde, stellte ich mich vor mein Buchregal und fragte mich, wie es denn dort um schwarze Stimmen bestellt war. Die Antwort war beschämend und wenig überraschend: Zadie Smith, Teju Cole – nicht viele mehr. Diesen Sommer gesellten sich nun vier neue Autorinnen dazu. Ein Anfang. Und ich freue mich über weitere Empfehlungen in den Kommentaren!

Regina Porter, Die Reisenden

Zwei Familien, eine schwarz, eine weiß, von der Bürgerrechtsbewegung bis in die Obama-Jahre. Die Geschichte beginnt, als Agnes und ihr Freund auf der Heimfahrt von einem Date von einem weißen Polizisten angehalten werden. Sie überleben, aber ihr Leben ist danach ein anderes. Ein vielschichtiges, spannendes Familienepos. Im Februar bei S. Fischer erschienen.

Britt Bennett, The Vanishing Half

Die Zwillingsschwestern Stella und Desiree wachsen gemeinsam in einem kleinen Ort in Louisiana auf, in dem die Bewohner stolz auf die helle Haut ihrer Kinder sind. Mit sechzehn hauen die beiden gemeinsam nach New Orleans ab, kurz darauf trennen sich ihre Wege. Stella nimmt einen Job an, für den sie sich als weiß ausgibt, lernt einen Mann kennen und verschwindet von einem Tag auf den anderen. Desiree dagegen kehrt Jahre später mit einer dunkelhäutigen Tochter in ihren Heimatort zurück. Erst nach Jahrzehnten kreuzen sich ihre Wege über die nächste Generation.

Eine absolut mitreißende Geschichte zweier Emanzipationen: von Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht. Gerade bei Rowohlt erschienen.

Kiley Reid, Such A Fun Age

Emira weiß nach dem Studium nicht so recht weiter und jobbt als Babysitterin für eine weiße Familie. Als sie eines Abends spät mit der kleinen Tochter im Supermarkt unterwegs ist, wird sie vom Security Guard festgehalten. Alix, die Mutter, die ihr Geld als Influencerin verdient, ist schockiert und beschließt, sich mit Emira zu befreunden und ihr „zu helfen“. Die Geschichte läuft auf einen großen Crash zu, und das ist bisweilen gruselig, vor allem aber sehr unterhaltsam zu lesen.

Auf der Longlist für den Booker Prize 2020.

Bernadine Evaristo, Girl, Woman, Other

Erzählt die Geschichte von zwölft sehr unterschiedlichen Frauen in Großbritannien. Zwölf Frauenleben, über ein Jahrhundert hinweg, die mal parallel laufen, sich mal kreuzen, mal nur leicht berühren. Von der ersten schwarzen Frau in einem englischen Dorf bis zur emanzipierten, unkonventionellen lesbischen Dramaturgin, die an einem großen Londoner Theater spät einen Erfolg feiert. Ich hab’s verschlungen! Und musste die ganze Zeit an meine Mutter denken, der ich das wahnsinnig gern zu lesen gegeben hätte. Und bitte nicht davon abschrecken lassen, dass der Text ohne Punkte auskommt! Mich hat das absolut nicht gestört. Dafür gibt es Absätze.

2019 mit dem Booker Prize ausgezeichnet.

Wie geht es dir in Zeiten von Corona? – Miriam, New York City

Weiter geht’s auf meiner virtuellen Weltreise zu Miriam nach New York, in deren Wohnung ich schon zweimal wohnen durfte. Sind wir gemeinsam unterwegs, werden wir gerne für Schwestern gehalten. Ha!

Magst du dich kurz vorstellen?

Hi, ich bin Miriam. Ich bin Journalistin und arbeite hauptsächlich als Produzentin und Autorin für die ARD in New York. Ich bin 39 Jahre alt und lebe seit inzwischen mehr als elf Jahren in der Stadt. Die Zahl erstaunt mich selbst immer wieder, denn das war nie so gedacht: Ich kam damals, um eigentlich nur ein oder zwei Jahre zu bleiben, aber irgendwie lässt einen die Stadt dann nicht mehr los. Immer, wenn man wieder kurz vorm Absprung steht, passiert irgendwas – privat, beruflich oder gesellschaftlich –, was man unbedingt noch miterleben möchte. Ich sage immer: Das Leben in New York City ist wie eine dysfunktionale Beziehung, es ist hart mit ihr, aber man kann irgendwann auch nicht ohne sie leben.

Wie ist derzeit die Lage in NYC? 

Ich muss gestehen, dass diese Frage für mich kaum in Kürze und nur den Status Quo beschreibend zu beantworten ist. Öffnet sie doch so viele Türen der Emotionen und Erfahrungen der vergangenen Monate, die Einfluss auf das Heute haben. New York City war lange das Epizentrum der Krise in den USA. Insgesamt hat es seit März rund 430.000 Infektionen im Staat New York und mehr als 25.000 Tote gegeben – davon 23.000 allein in New York City. Zum Vergleich: In ganz Deutschland sind rund 9000 Menschen gestorben.

Ich könnte jetzt beginnen, von Notlazaretten im Central Park und Leichen in Kühl-LKWs hinter den Krankenhäusern zu erzählen, von überlaufenden Intensivstationen und Selbstmord begehenden Ärzten oder einfach nur von dem Klang der Dauer-Sirenen, wenn man am Frühlingsabend das Fenster öffnete – aber ihr habt die Bilder in den Nachrichten gesehen.

In Relation zu alledem hat sich die Situation natürlich deutlich entspannt. Zuletzt starben pro Tag weniger als 10 Menschen im Vergleich zu den Hunderten täglich im März und April. Firmen dürfen ihre Belegschaft zur Hälfte wieder in ihre Büroräume lassen, Restaurants empfangen Gäste im Freien und dürfen dafür den Bürgersteig vor ihren Lokalen nutzen. Läden dürfen begrenzt Kundschaft empfangen und auch einige Dienstleister wieder ihrer Arbeit nachgehen. Trotzdem sind die meisten Menschen immer noch im Home Office, viele große Firmen haben angekündigt, dass das bis mindestens Ende des Jahres so bleiben wird – einige wollen dauerhaft auf ein hybrides Arbeitsmodell umstellen. Broadway, Theater und Musikshows dürfen weiterhin nicht stattfinden, gleiches gilt für Partys und Bars, die keine Möglichkeit haben, draußen zu servieren. Masken sind Pflicht in allen geschlossenen Räumen und überall, wo man im Freien den 2-Meter-Abstand nicht einhalten kann.

Was hat sich für dich persönlich durch Corona verändert?

Als Journalistin hat mich das Thema monatelang nonstop und detailliert beschäftigt – als weiße privilegierte Privatperson sind die Krise und der Tod nicht besonders nah an mich heran gekommen. Mulmig war mir, als eine ältere Lady aus dem Nachbarhaus von einem Krankenwagen abgeholt wurde oder die Vermieterin einer Freundin an Covid19 gestorben ist.

Dann hat die Krise in den USA gesellschaftlich viel wach oder, besser gesagt, wieder in den Vordergrund gerüttelt – Stichwort “Black Lives Matter”. Soziale Fragen und wie sie mein Leben beeinflussen könnten und sollten, beschäftigen mich seit dem vermehrt. Ich bin dankbarer geworden, für meine Freunde, mein soziales Netz in der Stadt. Und demütiger bezüglich meiner Privilegien und vieler doppelter Böden in meinem Leben: Einer davon ist der deutsche Pass, mit dem ich jederzeit einfach hätte abreisen können. In ein Land, das im Vergleich zu der Realität hier gepflastert ist mit guten und bezahlbaren Krankenhäusern.

Fotos: Esther Levine

Was bereitet dir am meisten Sorgen?

Das Virus ist wie ein Tsunami über die Stadt herein gerollt, und erst jetzt, in der Zeit der Ebbe, wird viel von der angerichteten Zerstörung sichtbar. Viele Menschen sind seit Monaten arbeitslos – oder waren vorrübergehend entlassen. Zwar hat der Staat angeordnet, dass nichtzahlende Mieter bis einschließlich Oktober nicht aus ihren Wohnungen geworfen werden können, aber das mindert die kumulierte Summe der Mietschulden nicht.

Die Landflucht hat schon begonnen: Einige Menschen können sich die Stadt momentan schlicht nicht mehr leisten, andere sind im Home Office auf den Geschmack gekommen. Grün und Natur und dabei noch Geld sparen – eigentlich keine schlechte Idee. Erst Recht, wenn der Großteil der kulturellen Angebote, die New York ausmachen, im besten Fall vorübergehend und im schlimmsten Fall für immer geschlossen hat. 500.000 haben die Stadt schon verlassen, das ist die letzte Zahl, die ich gelesen habe. Den Umzugswägen in meiner Nachbarschaft am vergangenen Wochenende zufolge dürften es schon wieder einige mehr geworden sein.

Und dann gibt es die, die richtig hart getroffen sind. Die, die vor der Krise schon am Limit und nur mit drei Jobs überleben mussten. Die schlecht oder gar nicht krankenversichert sind und deswegen auch unbehandelte Vorerkrankungen mit sich rumtragen. Sie können nicht mal eben die Umzugshelfer her pfeifen und abdüsen, denn auch das kostet Geld. Die Kriminalität steigt wieder in New York, auch wenn ich betonen möchte, dass wir bei Weitem noch nicht wieder in den Achtzigern angekommen sind, auch wenn das manchmal so dargestellt wird. Aber grade gestern wurden mir zwei Päckchen aus unserem Hausflur geklaut – und ich kann’s irgendwie verstehen.
Ich hoffe, dass New York City wie Phoenix aus der Asche wieder emporsteigen wird – dass die Stadt das kann, hat sie in den vergangenen Dekaden immer und immer wieder bewiesen.

Bist du dieses Jahr gereist? 

Das Land verlassen ging leider auch hier nicht. Deswegen war ich im Staat New York unterwegs. Am Strand auf Long Island in Montauk und auch “Upstate“ in den Catskills, nahe Woodstock. In New York ist man verwöhnt, denn nur wenige Autostunden von der City entfernt ist man bereits in wunderschöner Natur. Berge oder Beach, für jeden was dabei. Oder für Unersättliche wie mich: beides.

Hast du etwas Positives aus den letzten Monaten mitgenommen?

Für mich persönlich waren gerade die Sommermonate wunderbar, denn ich habe jemanden kennengelernt. Ich war lange Jahre der typische, zynische New Yorker Single und hatte Dating fast schon aufgegeben. Mitten im Hausarrest habe ich mich mehr oder weniger aus Langeweile mal wieder bei einer der Apps angemeldet. Dank Corona muss man sich dieser Tage allerdings erst mal am Telefon verstehen und auch noch richtig reden (och neee). Dann ist man gezwungen sich draußen, mit Abstand zu treffen – und schwuppsdiwupps, ohne dass man es merkt, verbringt man echte “Qualitätszeit” miteinander: aka Fahrradtouren, Picknicks und Spaziergänge, anstatt sich in einer dunklen Bar bei drei Bier und lauter Musik anzuschreien. Offenbar brauchte es erst eine Pandemie, die das Prozedere des Kennenlernens in New York entschleunigt.

Was mir sonst viel Hoffnung gibt: Auch diese Krise hat die New Yorker einmal mehr zusammen geschweißt. Es haben sich unzählige Aktionen von Nächstenhilfe und Zusammenhalt gebildet: Menschen haben Masken genäht, Essen organisiert und ausgefahren, Spenden gesammelt und in Nachbarschafts-Apps gegenseitige Hilfe koordiniert. Dieses Phänomen der coolen, unnahbaren New Yorker, die, wenn es drauf ankommt, alles stehen und liegen lassen, um ihrer Community zu helfen, das durfte ich schon nach dem Supersturm Sandy erleben.
Der Mensch ist anpassungsfähig und der New Yorker sowieso. Es wird kein Zurück geben in unsere alte Normalität und Realität – aber wir werden gemeinsam eine neue spannende Stadt und eine spannende Welt schaffen, denn jede Veränderung bringt Wachstum und Fortschritt. Für jeden Einzelnen und für uns alle.

Danke, liebe Miriam! Bleib gesund und möge der Herbst für dich genauso wunderbar weitergehen!

Mittagspausen-Bowl mit Quinoa, Gemüse und Pesto

Achtung, Streberpost! Denn: Ich habe vorgekocht. Und ich freue mich jetzt riesig, mir die nächsten Tage nichts von Dean & David oder Stadtsalat holen zu müssen. Salat oder Bowl waren seit meiner Rückkehr ins Büro vor ein paar Wochen meist mein bevorzugtes Mittagessen – in dem ambitionierten Versuch, durch etwas gesündere Ernährung meine Coronakilos loszuwerden. Hat nicht funktioniert, ging dafür aber ganz schön ins Geld.*

So ’ne Bowl ist wahrlich kein Zauberwerk, lässt sich gut für mehrere Tage vorbereiten – und immer wieder variieren.

Zutaten für drei Portionen:

3 mittelgroße Rote Beete

3 große Möhren

200 Gramm Brechbohnen

200 Gramm Champignons

180 Gramm Quinoa

30 Gramm Pinienkerne

1 Bund Basilikum

4 kleine Knoblauchzehen

Olivenöl

Rote Beete und Möhren schälen und in Stücke schneiden. (Hier gehen außerdem Süßkartoffeln, Kartoffeln, Blumenkohl …) In einer Schüssel mit etwas Olivenöl, Salz und Pfeffer vermengen und auf einem Backblech im vorgeheizten Ofen bei 220 Grad circa 30 Minuten garen.

Quinoa mit der doppelten Menge Wasser 20 bis 25 Minuten kochen. (Nächstes Mal nehme ich vielleicht Bulgur oder Naturreis.)

Von den Bohnen die Enden entfernen, halbieren und circa 12 Minuten in Salzwasser kochen.

Champignons (oder Pfifferlinge!) putzen, vierteln und in etwas Olivenöl anbraten. (Man kann natürlich auch nur Ofengemüse nehmen. Dann hat man am Ende einen Topf und eine Pfanne weniger zu spülen.)

Für das Pesto Pinienkerne kurz anrösten, abkühlen lassen und mit den Basilikumblättern und Knoblauch im Mixer zerkleinern. (Alternativ Petersilie und gehackte Mandelkerne nehmen.) Mit vier Esslöffeln Olivenöl, Salz und Pfeffer vermengen.

Das Ganze könnte man jetzt noch mit Feta, Ziegenkäse, Avocado, Tomaten pimpen. So aber auch schon ziemlich lecker. Eine Portion gab’s direkt heute Abend, den Rest habe ich separat eingetuppert** und nehme ich morgen mit ins Büro. Yay!

* Ersteres ist übrigens vollkommen in Ordnung, man sollte sich in diesen Zeiten wirklich nicht noch zusätzlich stressen. Andererseits würde ich schon gerne irgendwann in den rosa Jumpsuit passen, den ich mir im März bestellt habe.

** Ja, ich habe farblich passende Tupperware. Habe ich geerbt, mag ich.

Wie geht es dir in Zeiten von Corona? – Jessica, Glasgow

In den letzten Wochen ist viel über Corona gesagt und geschrieben worden, über Infektionszahlen, wirtschaftliche Einbrüche, die Suche nach einem Impfstoff, Maskenverweigerer und Reiserückkehrer. Was mir in all dem Nachrichtengetöse oft fehlte, war der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus und auf die Einzelnen. Wie die wunderbare Margarete Stokowski letztens schrieb: „Aber die Pandemie an sich macht auch viele von denen müde, die sich nicht mit dem Coronavirus infizieren. Und irgendwie scheint es ein kleines Missverhältnis zu geben zwischen den Emotionen oder Zuständen, die öffentlich verhandelt werden und denen, die weniger besprochen werden.“ Ich möchte mich in den nächsten Wochen daher etwas umhören und Menschen in Schottland, den USA, Frankreich, Israel fragen, wie es ihnen geht. Den Anfang macht die liebe Jessica, mit der ich vor ein paar Jahren zwei tolle Bücher bei Rowohlt gemacht habe.

Magst du dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Jessica Wagener, ich bin dieses Jahr 43 geworden. Ich bin gebürtige Hamburgerin, habe meine Heimatstadt aber verlassen und lebe inzwischen in Glasgow. Hamburg und Glasgow sind sich nicht nur vom Wetter her ähnlich – Glasgow ist wie Hamburg eine Hafen- und Handelsstadt. Allerdings sind die Leute hier aufgeschlossener. Derzeit studiere ich Geschichte an der University of Glasgow, die aussieht wie Hogwarts, und schreibe als freie Journalistin für deutsche Medien. Außerdem feile ich heimlich an einer Schottland-Roman-Idee.

Wie ist derzeit die Lage in Glasgow?

Die Lage hier ist vergleichsweise okay. Schottland ist ja zumindest in Teilen eigenständig und hat auch eine eigene Regierungschefin: Nicola Sturgeon. Sie hat, wie hier viele finden, die Corona-Krise um Klassen besser gemeistert als der britische Premierminister Boris Johnson. Was aber auch nicht schwer war … Vor allem die Kommunikation der schottischen Regierung war klar und deutlich. Masken sind hier teilweise vorgeschrieben, in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Geschäften müssen sie auf jeden Fall getragen werden. Auch Social Distancing läuft weiterhin und Treffen von mehr als 15 Personen sind nicht erlaubt, auch nicht draußen.

Was hat sich für dich persönlich durch Corona verändert?

Für mich persönlich hat sich gar nicht allzu viel geändert, da ich eh von zu Hause aus arbeite. Das einzige, was ich in der harten Lockdown-Phase sehr vermisst habe, waren meine Freunde. Und ganz allein im Lockdown ist auf Dauer selbst für jemanden wie mich mit großem Selbstbeschäftigungs-Talent schwierig. Aktuell bin ich ziemlich traurig, dass ich wegen Corona im kommenden Semester gar nicht auf den schönen, alten Campus darf. Das wird mir extrem fehlen.

Was bereitet dir am meisten Sorgen?

Sorgen macht mir, dass der gute, alte gesunde Menschenverstand sich zu verabschieden scheint und viele Leute offenbar mit der Komplexität der Situation derart überfordert sind, dass sie lieber kruder Verschwörungsmythologie Glauben schenken, als sich damit auseinanderzusetzen, und komplett irrational reagieren. Wo schränkt es bitte die Freiheit ein, für ein paar Minuten am Tag eine Stoffmaske vor Mund und Nase zu tragen? Vollkommener Wahnsinn.

Bist du dieses Jahr gereist?

Gereist bin ich in diesem Jahr noch nicht, aber ich muss ganz dringend mal was anderes sehen als diese Wohnung und vor Semesterbeginn noch mal kurz durchatmen. Deshalb geht’s demnächst für ein paar Tage gar nicht so weit weg in ein kleines Bed & Breakfast in Perthshire. Fünf Tage Jahresurlaub – Freelancerlife!

Hast du etwas Positives aus den letzten Monaten mitgenommen?

Wenn es etwas Positives gibt, das ich aus der vergangenen Zeit mitgenommen habe: Schon kleine Gesten der Freundlichkeit können Großes bewirken und wir Menschen sind definitiv besser dran, wenn wir zusammen- statt gegeneinander arbeiten.

Danke, Jessica! Schönen Urlaub & bleib gesund!

Und, was machen die Männer?

Neulich saß ich mit meinem guten Freund L. im Garten meiner Lieblingsbar. Wir hatten uns ein paar Wochen nicht gesehen und viel zu erzählen, und es war ein sehr schöner Abend. Nach dem zweiten Drink stellte L. dann die Frage und ich musste ihn kurz anpampen. Das tut mir inzwischen leid, denn stattdessen hätte ich ihm vielleicht auch einfach erklären können, warum mich diese Frage so ärgert. Sie ist natürlich gut gemeint, aber zum einen bohrt sie den Finger in eine Wunde, die mal mehr, mal weniger weh tut. In etwa so, als würde ich eine Freundin, die sich seit Jahren mit Jobs rumschlägt, die sie hasst und für die sie überqualifiziert ist, fragen, was denn die Karriere macht. Zum anderen verweist sie auf eine vermeintliche Leerstelle, es schwingt immer ein bisschen die Sorge mit, ob die arme Julia wohl auch nochmal den Richtigen findet.

Das ist gegenüber L. sicherlich eine nicht ganz faire Unterstellung, trifft aber wohl auf 90 Prozent der Tanten, Freundinnen und Bekannten zu, die sich diesbezüglich in den letzten zwanzig Jahren immer mal wieder nach meinem Befinden erkundigten. Doch während ich bei Tanten nur leicht genervt die Augen rolle und versuche, geduldig zu erklären, warum mein Leben auch ohne Mann an meiner Seite gar nicht mal so traurig ist, vermag ich diese Nachsicht bei Freunden nicht mehr aufzubringen. Wer mich kennt, weiß nunmal, dass die Antwort mit einiger Wahrscheinlichkeit „Nicht viel“ lautet – nicht gerade der Einstieg in ein spannendes Gespräch –, und dass ich andernfalls schon längst ungefragt und freimütig berichtet hätte.

Weil es mir neulich dennoch im selben Moment leid tat, L. angepampt zu haben, versuchte ich, die Situation zu entspannen, indem ich von meinen letzten kläglichen Versuchen des Online-Datings erzählte. Ich hatte ein paar Tage mit P. geschrieben, der einen klugen und unterhaltsamen Eindruck machte, wir hatten uns schließlich locker für die kommende Woche verabredet – und dann habe ich nie wieder etwas von ihm gehört. Online-Dating in a Nutshell. Und was sagte L. zu dieser Anekdote? „Na, da hat es sich doch gelohnt, dass ich gefragt habe.“ Ach ja? Ich finde das Ganze ungefähr so erquicklich, wie wenn sich jemand auf Ebay-Kleinanzeigen nach dem inserierten Sessel erkundigt, ich ausmesse und ihm im Preis entgegenkomme – und dann nie wieder etwas höre.

Was auch der Grund ist, warum ich auf die Frage „Und was ist mit Online-Dating?“ ähnlich allergisch reagiere. Diese wird vor allem gern von Menschen gestellt, die schon so lange in einer Beziehung sind, dass es Tinder & Co. noch gar nicht gab, als sie zuletzt Single waren. Insofern vielleicht legitim, dass sie fragen, womöglich denken sie ernsthaft, das wäre ein netter Zeitvertreib und eine praktische Sache, um dem brach liegenden Liebesleben auf die Sprünge zu helfen. Ist. Es. Nicht. Ich reagiere daher meist ähnlich augenrollend wie bei wohlmeinenden Tanten und erläutere geduldig, warum das so gar keinen Spaß macht. Bestenfalls stoße ich dann schnell auf Verständnis, schlimmstenfalls findet der Paarmensch die Anekdoten wahnsinnig amüsant und möchte mehr hören. Um nochmal auf den Vergleich von oben zurückzugreifen: Wenn mir eine Freundin von einem vermurksten Vorstellungsgespräch erzählt, bei dem nach einer Minute klar war, dass sie für die Stelle heillos überqualifiziert ist und der Job sie überhaupt nicht befriedigen würde, dann kann ich vielleicht kurz über die groteske Situation mit ihr lachen, aber mir ist wohl bewusst, wie unangenehm das ist.

Online-Dating macht keinen Spaß. Punkt. Ich kann zwar nur für mich sprechen, kenne aber auch kaum jemanden, der das Gegenteil behauptet. Ich habe in den letzten zehn Jahren immer mal wieder das ein oder andere Portal ausprobiert und schätzungsweise etwas mehr als ein Dutzend dort generierte Dates gehabt. Nicht einen Mann wollte ich wieder treffen, in den meisten Fällen wusste ich schon bei der Begrüßung: Ein Kaffee und dann nix wie weg. Und es muss ja erstmal zu einem Date kommen! Vorher gilt es, sich durch ein – sorry, Männer – Gruselkabinett zu blättern und unter Hunderten einen zu finden, von dem man sich mit viel Fantasie vorstellen könnte, dass man ihn auch angelächelt hätte, wäre er einem im echten Leben begegnet. Dann muss er das ebenso empfinden, dann das Schreiben … Ich kürze hier ab und fasse zusammen: Es ist ein quälender, zeit- und energieraubender Prozess mit minimalen Gewinnchancen. Weshalb ich eigentlich immer wieder nach kurzer Zeit die App der Stunde lösche und denke: Dann gehe ich doch lieber mit offenen Augen durchs Leben!

Vor allem verbringe ich meine Zeit lieber damit, Dinge zu tun, die mein Leben bereichern, als dass ich in eine App starre, die mir am Ende des Tages den Eindruck vermittelt: Das war’s. Die Guten sind alle weg. Was natürlich Quatsch ist. Ich vermute vielmehr: Die wenigen Guten sind nicht in der App, und die Wahrscheinlichkeit, einem von ihnen auf dem Weg zur Arbeit, am Beckenrand oder in der Bar zu begegnen, ist auch nicht geringer. Zumal ich mich an neun von zehn Tagen mit dem Titel des wunderbaren Buches meiner Autorin Gunda Windmüller identifiziere: Weiblich, ledig, glücklich – sucht nicht. In diesem wahnsinnig klugen Buch legt Gunda dar, warum Singlefrauen kein Mitleid brauchen, sondern eine Gesellschaft, die ihnen abnimmt, dass sie auch alleine glücklich sein können. Denn das Leben allein kann verdammt gut sein. Mein Leben ist verdammt gut.

Ich habe nicht nur ein sicheres Einkommen, ich habe einen Job, der mich erfüllt und mir an den allermeisten Tagen großen Spaß bringt. Ich habe die weltbesten Kolleg*innen und super Freund*innen (auch wenn sie manchmal nervige Fragen stellen). Ich habe eine tolle Familie, die zwar in letzter Zeit mehr geschrumpft ist, als mir lieb ist, die mir aber auch wahnsinnig viel Kraft gibt. Ich erfreue mich überwiegend guter Gesundheit und habe eine wunderschöne Wohnung mit dem vielleicht besten Balkon von St. Pauli. Zu meinem Vierzigsten habe ich mir selbst zwei Monate New York geschenkt. Und wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht, unternehme ich fantastische Reisen und schwimme im Meer von Insel zu Insel, was mich sehr glücklich macht.

Mein Leben ist nicht unvollständig ohne Partner. Im Gegenteil: Es ist so voll mit Gutem, dass ich es gerade deshalb oft gern teilen würde. Natürlich wurmt mich das Alleinsein von Zeit zu Zeit. Ohne Frage gibt es da diese Sehnsucht, die mal mehr, mal weniger piekst. Aber ich bin dankbar für alles, was ich habe. In vielerlei Hinsicht fühle ich mich vom Leben reich beschenkt. Ja, wahnsinnig großes Glück in der Liebe gehört bisher nicht dazu. Doch ich möchte darauf vertrauen, dass das Leben voller Überraschungen steckt. Vor zehn Jahren hätte ich nie gedacht, dass es einmal meine größte Leidenschaft sein würde, im offenen Meer zu schwimmen. Oder dass ich mit Mitte vierzig noch anfangen würde, Griechisch zu lernen. Vor zwei Jahren hätte ich nicht geglaubt, dass ich mal einen Blog schreiben würde. Alles ist möglich: heute, morgen, nächsten Monat, nächstes Jahr. Daran möchte ich glauben. Ich hoffe, ihr tut es auch.

Φιλάκια

Julia

Ein Jahr JULIA SCHWIMMT

Ihr Lieben,

nun schwimme ich tatsächlich schon ein Jahr hier in meiner kleinen Bucht des Internets herum – ich hätte wahrlich nicht gedacht, dass ich so lange durchhalte. Es hat mich selbst ein bisschen überrascht, dass mir immer neue Ideen kamen. Einige wenige Geschichten hatte ich zwar schon in der Schublade, ein paar Beiträge habe ich vorbereitet oder mir dafür Unterstützung geholt, viele Texte entstanden aber spontan. Mehr als einmal habe ich beim Schreiben meine Komfortzone verlassen – immer habe ich für diese Stücke das meiste Echo von euch geerntet. Das hat mich enorm gerührt und immer wieder darin bestärkt weiterzumachen.

Tausend Dank euch allen, die ihr mich treu begleitet habt, für die vielen positiven Rückmeldungen im Laufe der Monate – seltenst hier in den Kommentaren, oft auf good old Facebook, häufig aber auch ganz direkt. Ihr glaubt gar nicht, wie gut das tat und wie wichtig das war! Anfangs war mir meine Rumexperimentiererei hier nämlich durchaus etwas peinlich – wer fängt denn 2019 noch ´nen Blog an? Aber mit jedem Text bin ich ein bisschen mehr ins Schreiben hineingewachsen. Und darum ging es mir: mich auszuprobieren. Mit jeder Reaktion hat es mehr Spaß gemacht, habe ich neuen Mut gefasst.

In den letzten Wochen nun war es etwas ruhiger hier. Ich muss zugeben: Ich stecke in einem kleinen Inspirationsloch. Zu gern hätte ich diesen Ausnahmesommer genutzt, um euch etwa die schönsten Badestellen Norddeutschlands zu zeigen. Leider fehlen mir dafür jedoch die Möglichkeiten – besser gesagt: Fahrer oder Führerschein. Aber ich bin dran! Denn wenn ich etwas beim Schwimmen gelernt habe, dann Durchhaltevermögen. Ich habe daher nach einigem innerlichen Hin und Her auch beschlossen, hier noch etwas weiter zu schwimmen. Damit die nächste Strecke aber nicht allzu zäh wird, bin ich auf eure Unterstützung angewiesen: Was hat euch gut gefallen? Was würdet ihr gerne mehr lesen? Was fehlt euch? Ja, ja, ich weiß, am besten kommen die ganz großen Themen wie Herzschmerz und Trauer an, aber zum einen kann ich damit – glücklicherweise – nicht ständig dienen, zum anderen war das eigentlich nicht der Plan. Okay, es gab gar keinen Plan …

Wie dem auch sei, wenn ihr mir zum Blog-Geburtstag etwas schenken wollt, dann würde ich mich über zweierlei freuen: Teilt einen Text, der euch im vergangenen Jahr besonders gut gefallen hat, auf dem Kanal eurer Wahl mit euren Freund*innen. Neue Mitschwimmer*innen sind schließlich immer willkommen. Und: Schreibt mir! Hier, bei Facebook, Instagram oder auf Twitter. Schickt mir Fragen, Gedanken, Ideen. Wie gerne würde ich euch alle zu einer großen Poolparty einladen und mit jeder und jedem einzelnen anstoßen, aber vielleicht können wir ja online ein wenig feiern? Schön, dass ihr da seid!

Eure Julia

Ich träume von … Paxos

Mein letzter Swimtrek, der Ionian Explorer, ist der einzige in Griechenland, der als Ausgangspunkt keine Insel, sondern einen kleinen Ort auf dem Festland hat. Geflogen bin ich dennoch auf eine Insel: nach Korfu, und von dort mit der Fähre weiter. Wie immer wollte ich an die Woche Schwimmen noch eine Woche Rumliegen dranhängen, am liebsten natürlich auf einer Insel. Nach kurzer Recherche war mir klar: Korfu würde es nicht sein – zu groß, zu touristisch. Ich studierte noch einmal die Karte und entdeckte zwei kleine Flecken südlich von Korfu: Paxos und Antipaxos. Heureka!

Paxos ist mit seinen circa 19 Quadratkilometern noch kleiner als Folégandros, seine kleine Schwester Antipaxos misst nur fünf Quadratkilometer. In der griechischen Mythologie heißt es, Poseidon habe Paxos mit seinem Dreizack von Korfu abgetrennt, um ein Liebesnest für sich und seine Geliebte Amphitrite (Beherrscherin der Meere) zu schaffen. Wenn das nicht der perfekte Ort für diese Beherrscherin der Meere war, um sich von 20 geschwommenen Kilometern zu erholen!

Gebucht hatte ich eine für meine Verhältnisse recht luxuriöse Unterkunft, das Paxos Beach Hotel, circa 20 Gehminuten außerhalb des Hauptortes Gaios: eine hübsche Anlage aus mehreren Bungalows, terrassenartig angelegt und mit einem kleinen Privatstrand. Ich habe mich dort augenblicklich so wohl gefühlt, dass ich spontan die zwei Nächte, die ich zum Abschluss in Korfu Stadt verbringen wollte, stornierte, um länger bleiben zu können.

Meine Zeit verbrachte ich abwechslungsarm und tiefenentspannt: Schlafen, essen, schwimmen, lesen, dösen, Wein trinken, repeat. Da ich aus Versehen Halbpension gebucht hatte, gab es kaum einen Grund, das kleine Paradies zu verlassen. Ab und zu bin ich abends nach Gaios geschlendert, um dort durch die kleinen Gassen zu bummeln, Eis zu essen oder einen Ouzo mit Blick auf die Segelboote im Hafen zu trinken. Einmal fuhr ich nach Antipaxos, wohin kleine Boote pendeln, die einen dort direkt am Strand absetzen. Ein andermal ließ ich mich in Ermangelung eigener Fahrtüchtigkeit von einem der drei Taxifahrer Paxos‘ nach Lakka im Norden der Insel bringen.

Es war mein erster Strandurlaub allein, und es wurde mir nicht eine Minute zu lang. Ich habe in der Woche drei Bücher gelesen, eine Geschichte übers Schwimmen im Meer geschrieben und mich an einem Abend sogar mit Carrie und Steve aus San Francisco zum Essen getroffen, mit denen ich eine Woche zuvor noch das Ionische Meer durchschwommen hatte. Auch wenn mein Herz ganz besonders an der Ägäis hängt und ich nächstes Jahr unbedingt wieder dorthin möchte, träume ich gerade, an verregneten Hamburger Sommertagen, von Paxos.

Anreise: Da es von Deutschland viele Direktflüge nach Korfu gibt und die Fähre von dort nach Paxos mehrmals täglich geht, ist die kleine Insel relativ einfach zu erreichen.

Da dieser Beitrag Marken- und Produktnennungen sowie Verlinkungen enthält und das nach derzeitiger Rechtslage als Werbung gilt, kennzeichne ich ihn als WERBUNG. Es handelt sich dennoch um persönliche Empfehlungen.

Sommerpasta mit grünen Bohnen und Petersilienpesto

Auf den ersten Blick fand ich die Kombi aus grünen Bohnen und Nudeln ungewöhnlich, inzwischen zählt dieses Nudelgericht zu meinen liebsten im Sommer. Im Urlaub musste ich es auf ausdrücklichen Wunsch meiner reizenden Reisebegleitung gleich zweimal kochen. Ich hoffe daher, euch macht es auch so glücklich.

Zutaten für zwei Portionen:

2 El gehackte Mandeln

1 Bund glatte Petersilie

40 Gramm Parmesan

6 El Olivenöl

1 Zwiebel

1 Knoblauchzehe

250 Gramm Strauchtomaten

250 Gramm grüne Bohnen

180 Gramm Tortiglioni (oder Penne)

Mandeln in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten. Petersilienblätter abzupfen. Käse fein reiben. Mandeln mit Petersilie im Mixer kurz pürieren. In einer Schale mit 5 El Öl und Käse zu Pesto verrühren und mit Salz und Pfeffer würzen.

Bohnen putzen und schräg halbieren. In einem großen Topf reichlich Wasser für die Nudeln und Bohnen aufsetzen. Zwiebel halbieren und in Streifen schneiden. Knoblauch in dünne Scheiben schneiden. Von den Tomaten den Stielansatz entfernen. Tomaten in grobe Stücke schneiden.

Wenn das Wasser kocht, Nudeln darin nach Packungsanweisung garen und die Bohnen circa 10 bis 12 Minuten dazugeben und mitgaren. Währenddessen 1 El Öl in einer Pfanne erhitzen. Zwiebeln und Knoblauch darin 2 Minuten dünsten. Tomaten zugeben und 3 Minuten mitdünsten, salzen und pfeffern.

Nudeln und Bohnen abgießen und tropfnass in die Pfanne zu den Tomaten geben. Alles mit dem Petersilienpesto mischen. Mit Parmesan servieren.

The Green Wide Open

Es war perfekt, es war genau das, was wir brauchten – nach zwölf Wochen Homeoffice, zwölf Wochen in der Großstadt, in denen wir von dieser nicht viel mehr als die eigenen vier Wände gesehen hatten: ein kleines Traumhaus an der Mecklenburgischen Seenplatte, das wir mit viel Glück ergattert hatten, bevor der große Ansturm auf Ferienunterkünfte in Deutschland einsetzte.

Ich habe noch nie eine so liebevoll und großzügig eingerichtete Ferienwohnung gesehen: bis ins Detail geschmackvoll eingerichtet, schöne Bettwäsche – die ich mir inzwischen nachbestellt habe –, eine vorzüglich ausgestattete Küche.

Wir haben morgens mit Blick ins Grüne gefrühstückt und darauf gewartet, Herbert, das Reh, auf der Wiese zu begrüßen. Wir sind mit den Rädern durch den Wald gefahren und haben am See auf dem Steg gesessen, ich bin hindurchgeschwommen – ein ganzer See für mich allein nach dreimonatigem Schwimmentzug!* Wir haben in der Sonne gelegen und gelesen, gedöst und gelesen und aufs Feld geguckt: Schau, da ist wieder Herbert! Oh, ich glaube, Herbert hat ein Kind. Und eine Frau! Wir haben gekocht und bis spätabends auf der Terrasse gesessen, Weißwein getrunken, Kniffel gespielt, den Grillen gelauscht. Und wir haben hervorragend geschlafen.

Es war die perfekte Corona-Auszeit. Ich habe in der gesamten Woche nur einmal Maske getragen, als wir unseren Wocheneinkauf in Rheinsberg getätigt haben.** Aber auch ohne Pandemie: The Green Wide Open ist einer dieser Orte, an den ich immer wieder kommen möchte. Abschalten, ausatmen, aufatmen, Akku aufladen.

Tipp: Mit dem Rad durch Wald und Wiesen von Wustrow Richtung Canow fahren. Man kommt an zwei Seen vorbei, am zweiten finden sich drei Stege.

* Es lohnt sich unbedingt, Räder mitzunehmen!

** Der nächste größere Supermarkt ist circa zwanzig Minuten mit dem Auto entfernt.

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Ich träume von … Folégandros

Der Sommerurlaub wird wohl für die meisten von uns anders ausfallen als geplant. Statt drei Wochen nach Griechenland werde ich eine Woche an die Mecklenburgische Seenplatte und ein paar Tage an die Ostsee fahren. Und wie wunderbar ist das, dass ich diese Möglichkeit habe! Dafür bin ich sehr dankbar in diesen Zeiten. Aber: Wenn ich von Sommer träume, vom Abschalten, vom Abstand zum Alltag gewinnen, vom Schwimmen im Meer, von gebräunter, nackter Haut, von Sonnenuntergängen, davon, bis spätabends leicht bekleidet draußen zu sitzen, dann träume ich von Griechenland. 113 bewohnte griechische Inseln gibt es, zehn habe ich bisher bereist. Nichts! Dennoch werde ich ab und an von Freund*innen und Kolleg*innen nach Tipps gefragt. Die meisten, die nur mal schnell für eine Woche in die Sonne wollen, muss ich enttäuschen. Denn meine liebsten Inseln erreicht man nicht per Direktflug, für die Anreise muss man eigentlich immer eine zusätzliche Nacht für einen Zwischenstopp einplanen. Aber es lohnt sich!

Vor drei Jahren war ich auf Folégandros, eine der kleinsten Kykladeninseln in der Ägäis: mit 33 Quadratkilometern ungefähr so groß wie Pellworm, um die 800 Einwohner, nur mit dem Schiff zu erreichen. Folégandros ist karg und felsig und besticht vor allem mit einer sehr schönen Chóra (so werden die Hauptorte auf den Inseln genannt), die unmittelbar am Felsabhang liegt. Zu den Stränden gelangt man mit einer Ausnahme nur zu Fuß oder aber mit dem Boot. Wir haben meistens vormittags den Bus nach Angáli genommen (zehn Minuten) und von dort ein Boot zum Strand Livadáki. Dort gibt es zwar keine Liegen und Sonnenschirme – was ich, alte Frau, gewöhnlich sehr schätze –, aber jede Menge Tamarisken, die Schatten spenden, und eine sehr nette Strandbar. Lesen – schwimmen – dösen – Frappé trinken – repeat. Einmal haben wir uns auch ein Auto gemietet und sind zu einem hübschen, kleinen Kiesstrand weiter im Norden gefahren (und circa zwanzig Minuten gelaufen), wo wir fast alleine waren.

Abends lässt es sich wunderbar durch die Gassen der Chóra flanieren, deren ältester Teil, das Kástro-Viertel, im 13. Jahrhundert als Wehrsiedlung erbaut wurde. Es gibt zahlreiche nette Läden und Tavernen – am späten Abend versammelt sich gefühlt der ganze Ort auf den Plätzen zum Plausch. Ich liebe es!

Folégandros‘ einzige Sehenswürdigkeit ist die Panagía-Kirche am Steilhang oberhalb der Chora, zu der ein gewundener Weg hoch führt. Den Aufstieg sollte man unbedingt auf sich nehmen: Oben erwartet einen ein fantastischer Panoramablick über die Insel – vor allem zum Sonnenuntergang spektakulär.

Ich würde nicht unbedingt zwei Wochen auf Folégandros verbringen, eine fand ich perfekt – und dann weiter zur nächsten Insel, zum Beispiel Mílos.

Übernachten: Wir waren im Hotel Anemousa, das am Ortsausgang der Chóra liegt, mit tollem Blick aufs Meer, und haben uns dort trotz Wind sehr wohl gefühlt.

Anreise: Man kann zum Beispiel (via Athen) nach Mílos oder Santoríni fliegen und von dort die Fähre nehmen. Oder aber die Fähre ab Piräus (Athen), die Überfahrt dauert dann etwas länger.