The Green Wide Open

Es war perfekt, es war genau das, was wir brauchten – nach zwölf Wochen Homeoffice, zwölf Wochen in der Großstadt, in denen wir von dieser nicht viel mehr als die eigenen vier Wände gesehen hatten: ein kleines Traumhaus an der Mecklenburgischen Seenplatte, das wir mit viel Glück ergattert hatten, bevor der große Ansturm auf Ferienunterkünfte in Deutschland einsetzte.

Ich habe noch nie eine so liebevoll und großzügig eingerichtete Ferienwohnung gesehen: bis ins Detail geschmackvoll eingerichtet, schöne Bettwäsche – die ich mir inzwischen nachbestellt habe –, eine vorzüglich ausgestattete Küche.

Wir haben morgens mit Blick ins Grüne gefrühstückt und darauf gewartet, Herbert, das Reh, auf der Wiese zu begrüßen. Wir sind mit den Rädern durch den Wald gefahren und haben am See auf dem Steg gesessen, ich bin hindurchgeschwommen – ein ganzer See für mich allein nach dreimonatigem Schwimmentzug!* Wir haben in der Sonne gelegen und gelesen, gedöst und gelesen und aufs Feld geguckt: Schau, da ist wieder Herbert! Oh, ich glaube, Herbert hat ein Kind. Und eine Frau! Wir haben gekocht und bis spätabends auf der Terrasse gesessen, Weißwein getrunken, Kniffel gespielt, den Grillen gelauscht. Und wir haben hervorragend geschlafen.

Es war die perfekte Corona-Auszeit. Ich habe in der gesamten Woche nur einmal Maske getragen, als wir unseren Wocheneinkauf in Rheinsberg getätigt haben.** Aber auch ohne Pandemie: The Green Wide Open ist einer dieser Orte, an den ich immer wieder kommen möchte. Abschalten, ausatmen, aufatmen, Akku aufladen.

Tipp: Mit dem Rad durch Wald und Wiesen von Wustrow Richtung Canow fahren. Man kommt an zwei Seen vorbei, am zweiten finden sich drei Stege.

* Es lohnt sich unbedingt, Räder mitzunehmen!

** Der nächste größere Supermarkt ist circa zwanzig Minuten mit dem Auto entfernt.

Da dieser Beitrag Marken- und Produktnennungen sowie Verlinkungen enthält und das nach derzeitiger Rechtslage als Werbung gilt, kennzeichne ich ihn als WERBUNG. Es handelt sich dennoch um persönliche Empfehlungen.

Ich träume von … Folégandros

Der Sommerurlaub wird wohl für die meisten von uns anders ausfallen als geplant. Statt drei Wochen nach Griechenland werde ich eine Woche an die Mecklenburgische Seenplatte und ein paar Tage an die Ostsee fahren. Und wie wunderbar ist das, dass ich diese Möglichkeit habe! Dafür bin ich sehr dankbar in diesen Zeiten. Aber: Wenn ich von Sommer träume, vom Abschalten, vom Abstand zum Alltag gewinnen, vom Schwimmen im Meer, von gebräunter, nackter Haut, von Sonnenuntergängen, davon, bis spätabends leicht bekleidet draußen zu sitzen, dann träume ich von Griechenland. 113 bewohnte griechische Inseln gibt es, zehn habe ich bisher bereist. Nichts! Dennoch werde ich ab und an von Freund*innen und Kolleg*innen nach Tipps gefragt. Die meisten, die nur mal schnell für eine Woche in die Sonne wollen, muss ich enttäuschen. Denn meine liebsten Inseln erreicht man nicht per Direktflug, für die Anreise muss man eigentlich immer eine zusätzliche Nacht für einen Zwischenstopp einplanen. Aber es lohnt sich!

Vor drei Jahren war ich auf Folégandros, eine der kleinsten Kykladeninseln in der Ägäis: mit 33 Quadratkilometern ungefähr so groß wie Pellworm, um die 800 Einwohner, nur mit dem Schiff zu erreichen. Folégandros ist karg und felsig und besticht vor allem mit einer sehr schönen Chóra (so werden die Hauptorte auf den Inseln genannt), die unmittelbar am Felsabhang liegt. Zu den Stränden gelangt man mit einer Ausnahme nur zu Fuß oder aber mit dem Boot. Wir haben meistens vormittags den Bus nach Angáli genommen (zehn Minuten) und von dort ein Boot zum Strand Livadáki. Dort gibt es zwar keine Liegen und Sonnenschirme – was ich, alte Frau, gewöhnlich sehr schätze –, aber jede Menge Tamarisken, die Schatten spenden, und eine sehr nette Strandbar. Lesen – schwimmen – dösen – Frappé trinken – repeat. Einmal haben wir uns auch ein Auto gemietet und sind zu einem hübschen, kleinen Kiesstrand weiter im Norden gefahren (und circa zwanzig Minuten gelaufen), wo wir fast alleine waren.

Abends lässt es sich wunderbar durch die Gassen der Chóra flanieren, deren ältester Teil, das Kástro-Viertel, im 13. Jahrhundert als Wehrsiedlung erbaut wurde. Es gibt zahlreiche nette Läden und Tavernen – am späten Abend versammelt sich gefühlt der ganze Ort auf den Plätzen zum Plausch. Ich liebe es!

Folégandros‘ einzige Sehenswürdigkeit ist die Panagía-Kirche am Steilhang oberhalb der Chora, zu der ein gewundener Weg hoch führt. Den Aufstieg sollte man unbedingt auf sich nehmen: Oben erwartet einen ein fantastischer Panoramablick über die Insel – vor allem zum Sonnenuntergang spektakulär.

Ich würde nicht unbedingt zwei Wochen auf Folégandros verbringen, eine fand ich perfekt – und dann weiter zur nächsten Insel, zum Beispiel Mílos.

Übernachten: Wir waren im Hotel Anemousa, das am Ortsausgang der Chóra liegt, mit tollem Blick aufs Meer, und haben uns dort trotz Wind sehr wohl gefühlt.

Anreise: Man kann zum Beispiel (via Athen) nach Mílos oder Santoríni fliegen und von dort die Fähre nehmen. Oder aber die Fähre ab Piräus (Athen), die Überfahrt dauert dann etwas länger.

Julia und das Meer

Ich stehe an Deck und schaue mit einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität aufs Meer. Dimitris bringt mit seinem kleinen Ausflugsboot normalerweise Touristen an die einsamen, nur vom Wasser aus zugänglichen Strände. Heute hat er eine etwas andere Gruppe als sonst an Bord: 14 Frauen und Männer, die gleich ins Wasser springen werden, um 2 Kilometer rund um eine Insel zu kraulen. Swimtrekking nennt sich das und ist eigentlich gar nicht so verrückt, wie es sich im ersten Moment vielleicht anhört. Andere wandern in ihrem Urlaub, wir schwimmen.

Simon, einer unserer zwei Guides, signalisiert, dass es Zeit für die Oranges ist. Wir sind in drei Gruppen eingeteilt, je nach Schwimmtempo, ich bin in der langsamen mit den orangen Badekappen. Wir starten als erstes mit etwas Vorsprung vor den gelben und pinken Kappen, so dass wir am Ende ungefähr zeitgleich ans Ziel kommen. Bevor es losgeht, heißt es allerdings erst noch Arme hoch: Eoin, unser zweiter Guide, hat die Ehre, uns an den empfindlichen Stellen – unter den Achseln und den Badeanzugträgern – mit Vaseline einzureiben, zum Schutz, damit wir uns im Salzwasser nicht wund reiben.

Ein letztes Mal prüfe ich, ob meine Schwimmbrille wirklich fest sitzt – nichts ist nerviger als Salzwasser, das beim Schwimmen in die Augen rinnt –, dann springe ich. Als wir vier vollzählig im Wasser sind, stimmen wir uns noch einmal über die Richtung ab, in die wir schwimmen sollen – im Uhrzeigersinn rund um Mourteméno. Mourteméno ist eine von vier kleinen, unbewohnten Inseln, die direkt vor dem griechischen Festland im Ionischen Meer liegen, dicht bewaldet mit Olivenbäumen und Pinien und mit nur ein paar vereinzelten Kiesstränden. Ich mache wie immer erst ein paar Brustzüge, dann verfalle ich ins Kraulen. Alle Nervosität ist verflogen. Ich atme nach rechts, zwei Armzüge, atme nach links – und grinse von Ohr zu Ohr: Das Meer ist spiegelglatt, das Wasser hat angenehme 21 Grad, und unter mir erstreckt sich eine wunderschöne Landschaft. Mourteménos zerklüfteter Felskranz nimmt unter Wasser die wildesten Formen an. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken, dass Simon, der uns in einem kleinen Boot begleitet, immer wieder ermahnend ruft: „Don’t race, explore!“ Das muss man mir nicht zweimal sagen.

Wir schwimmen in Höhlen hinein und durch Gesteinsbögen hindurch. Ich nehme jede Nische mit, entdecke karminrote Seesterne, die an Steinbrocken kleben, umschiffe vorsichtig alle Seeigel, sehe Fische in den unterschiedlichsten Farben und Formen – von blaugrünen Winzlingen, die nicht mal die Größe meines kleinen Fingers haben, dafür nur im Schwarm auftreten und stets ganz hektisch werden, wenn ich mich nähere, über zitronengelbschwarzweiß gemusterte Schönheiten, die elegant allein zwischen den Felsen posieren, bis hin zu handgroßen Dunkelgrauen, die sich im Seegras verstecken. Als würde man in einem Aquarium schwimmen.

Nach circa einer Stunde haben wir die Insel umrundet und klettern beseelt an Deck. Nachmittags umschwimmen wir zur Hälfte die Nachbarinsel Ágios Nikólaos und landen nach 1,7 Kilometern an einem traumhaften, kleinen Kiesstrand, wo uns Eion mit Kaffee und Keksen begrüßt. Das Wasser schimmert hier im schönsten Türkis – in der Karibik kann es kaum besser sein.

Abends sitzt die gesamte Gruppe in einer Taverne am Hafen zusammen. Wir sind wie immer ein bunt gemischter Haufen, zwischen 26 und 62, vier Deutsche, zwei Amerikaner, sieben Briten – von denen eine in Shanghai lebt, ein anderer in Spanien –, einer von uns ist gar aus Simbabwe angereist. Wir bestellen griechischen Salat, Mezze und frischen Fisch, auf dem Tisch sammeln sich Bier-, Wein- und Ouzo-Gläser. Schwimmen macht hungrig und durstig. Simon erzählt uns, wie er zu seinem Job kam. Er war schon immer ein begeisterter Wassersportler, doch erst vor Kurzem, mit Mitte fünfzig, hat er seinen Bürojob an den Nagel gehängt und den Schreibtisch gegen das Meer eingetauscht. Mehrer Wochen im Jahr ist er nun an den verschiedensten Locations für Swimtrek tätig, und so, wie er uns jeden Tag mit einem Strahlen im Gesicht begrüßt, ahnt man: Der Jobwechsel war die beste Entscheidung.

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Am nächsten Tag fühlen sich meine Arme zunächst schwer an, der Nacken ist verspannt, aber dann gibt es wieder so viel zu entdecken, dass jedes Ziepen bald vergessen ist.

An Tag drei gesellt sich zum Muskelkater der Sonnenbrand – bei mehr als einer Stunde im Wasser habe ich selbst mit Lichtschutzfaktor 50 keine Chance, dafür am Ende des Urlaubs so braune Oberschenkel – hinten! – wie sonst nie. Um meinen geröteten Rücken zu schützen, trage ich ein langärmliges Schwimmshirt. Heute steht nur ein langer Swim an, 4 Kilometer rund um Mourtos – ein weiterer dunkelgrüner Klecks mit hellgrauem Rand im ionischen Blau. Mir ist ein wenig mulmig, die 2,5 Kilometer gestern Vormittag waren nicht ohne. Und auch in Hamburg, im Becken, schwimme ich maximal 2,5 Kilometer. Dabei weiß ich: Die Distanz ist nicht das eigentliche Problem, es ist meine ewige Sorge, mit den anderen nicht mithalten zu können.

Ich rufe mir einen Satz von Tasmin ins Gedächtnis, mein Guide im letzten Urlaub. Sie stammt von den Kanalinseln, hat mehrere Channel Swims begleitet und sagte mir: „Open Water Swimming is 10 % physicality and 90 % mentality.“ Also einatmen, ausatmen und Sprung ins nächste Abenteuer.

Wir sind inzwischen nur noch drei Oranges, Rihannon, die im Swimtrek-Büro arbeitet, musste schon zurück. Mit mir schwimmen nun noch Sheryl und Richard. Die Wasseroberfläche ist wieder glatt wie in der Badewanne, wir drei haben fast das gleiche Tempo, ich finde schnell in meinen Rhythmus, die Arme fühlen sich erstaunlicherweise leichter an als gestern, ich kraule Zug um Zug, höre nichts als meinen gurgelnden Atem, und nach circa einem halben Kilometer weiß ich: Das wird heute gut.

Simon behält uns immer im Blick, wahrt aber mit seinem Boot so viel Abstand, dass wir uns auf gute Weise allein fühlen. Nur ab und zu schwimmen wir zu ihm ran, dann bekommen wir ein Update, wieviel Strecke wir schon geschafft haben, und etwas zu trinken. Zur Feier des langen Swims reichen die Guides heute auch Weingummi-Colaflaschen – sie neutralisieren zumindest für kurze Zeit den Salzgeschmack im Mund.

Irgendwann verlieren wir fast noch eine orange Badekappe: Richard steuert unvermittelt die Nachbarinsel an, wird aber von Simon wieder eingefangen. Ich muss schmunzeln, am ersten Abend hat sich Richard mit den Worten vorgestellt: „My orientation is disastrous.“ Oh ja. Ich warte nur darauf, dass er mit einem Felsen kollidiert, doch stets bremst er in letzter Sekunde ab, guckt kurz überrascht nach dem Motto „Was machst du denn hier?“ und schwimmt weiter. Im Gegensatz zu ihm atme ich zum Glück zu beiden Seiten, was im Meer ein echter Vorteil ist.

Nach fast zwei Stunden erreichen wir einen Strand, der heute unser Ziel sein sollte, doch dort ankern gerade zwei Partyschiffe, im Wasser lauter Menschen mit Poolnudeln, und wir beschließen einstimmig: Wir schwimmen weiter. Über soviel Schwimm-Leidenschaft freut sich Simon natürlich und gibt den neuen Zielort per Funk an Dimitris durch. Als ich dort nach 4 Kilometern schließlich an Deck krabble, reicht mir jemand aus der Gruppe als erstes ein kaltes Bier. Ich bin geschafft – und so glücklich wie lange nicht.

In den letzten beiden Jahren hat mich das Leben ganz schön geschüttelt. In diesem Augenblick habe ich das erste Mal wieder das Gefühl, ganz bei mir zu sein, mir fehlt nichts und niemand. Schwimmen ist eben wie jede sportliche Aktivität immer auch therapeutisch – ebenso, wie in freier Natur zu sein. Mein größtes Glück ist es daher, wenn alles stimmt und ich in den Flow komme: Wenn das Wasser glatt ist, nichts weh tut, ich meinen Rhythmus finde und mit der Gruppe gut mithalten kann. So wie heute. Dann geraten auch meine Gedanken, die sich zuhause noch im Kreis drehten, in Fluss. Was vor zwei Wochen noch groß erschien, wird auf einmal ganz klein. Bis ich über nichts mehr nachdenke. Außer: Ach, guck, da ein oranger Seestern.

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Auch am vierten Tag erwartet uns wieder ruhige See. Wir machen vormittags zwei Crossings, das heißt, wir schwimmen vom Festland zur Insel, die in diesem Fall eher ein großer, karger Felsbrocken ist. Das Tolle an Crossings: Irgendwann geht es unter dir so tief runter, dass du keinen Boden mehr siehst, nur endloses Blau, in das die Sonne diffuse Strahlen wirft. Vom Felsbrocken weiter zur nächsten Insel, die wir wiederum umrunden. Klein Mourteméno ist wie ein großer Spielplatz für Schwimmer. Immer mal wieder klettere ich unterwegs auf einen Stein, um die Aussicht zu genießen und zu schauen, ob ich die pinken oder gelben Badekappen, die uns auf den Fersen sind, erspähen kann. Nachmittags umrunden wir die zweite Hälfte von Ágios Nikólaos – damit haben wir alle vier Inseln geschafft.

Um ehrlich zu sein: Wir haben auf diesem Swimtrek geradezu perfekte Bedingungen. Das ist nicht immer so, gutes Wetter und Windstille kann man nicht buchen. Ich bin auch schon derart hart gegen Wellen und Strömung an geschwommen, dass ich das Gefühl hatte, nicht von der Stelle zu kommen, dass ich statt Luft zu holen eine ordentliche Ladung Salzwasser schluckte und dachte: Warum mache ich den Scheiß hier eigentlich? Wieso liege ich nicht einfach nur faul am Strand? Doch dann saß ich kurze Zeit später mit einem Becher heißen Tees an Deck, schaute aufs wogende Meer und war ein kleines bisschen stolz, dass ich auch diese Herausforderung gemeistert hatte. Und mit jedem Swimtrek wächst mein Selbstvertrauen. Inzwischen traue ich mich auch, alleine im offenen Meer zu schwimmen – vor ein paar Jahren noch undenkbar.

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Am letzten Tag komme ich schließlich doch trotz perfekter Bedingungen an meine Grenzen: Wir schwimmen wieder 4 Kilometer am Stück, diesmal entlang des Festlands, und ich spüre deutlich, dass mir schon vier Tage Schwimmen in den Knochen und Muskeln stecken. Meine Arme fühlen sich bleischwer an, die Schulter ziept, jeder Armzug scheint ein Kraftakt. Während Sheryl und Richard vor mir, wie mir scheint, mit jedem Tag schneller werden, schwimme ich immer langsamer. Jetzt hilft nur, sich nicht auf die Zipperlein zu fokussieren, sondern zu versuchen, trotzdem jede Minute im Wasser zu genießen. Ich konzentriere mich auf meine Technik und rufe mir die Tipps ins Gedächtnis, die mir Simon gegeben hat: Ellenbogen hoch – aua – und immer schön mit dem Oberkörper rotieren. Und während ich in meinen Rhythmus zurückfinde, wiederhole ich im Kopf mantraartig einen Satz, den mir ein Schwimmbuddy auf meinem ersten Swimtrek mitgab. Er würde sich immer bei seinem Körper bedanken. Klingt vielleicht etwas eso, aber es stimmt: Ich bin meinem Körper, der mich mehr oder weniger geschmeidig durchs Wasser trägt, dankbar. Ich hatte schon mehrere Bandscheibenvorfälle, an der Hals- und an der Lendenwirbelsäule, über Monate chronische Schmerzen, und jetzt schwimme ich mehrere Kilometer durchs offene Meer. Daher: „Thank you, body. Thank you, body. Thank you, body.“

So hangele ich mich die Küste entlang, als mir auf einmal Richard entgegen kommt. Das kann doch nicht sein, denke ich, dass er derart die Orientierung verloren hat, und frage lachend: „What are you doing?“ Mit schönstem britischen Understatement antwortet er: „Oh, just taking a little swim. How about you?“ Dabei hat ihn natürlich Simon aufgefordert, eine Extra-Runde zu drehen – so sorgen die Guides dafür, dass wir als Gruppe nicht zu weit auseinander driften.

Dann kurz vor Schluss ein letztes Highlight: zwei Höhlen. In der ersten ist das Wasser auf einmal so eisig, dass man darin Weißwein kühlen könnte. Die zweite fasst gerade mal drei Schwimmer, hat aber auf ihrem Grund runde, große, weiße Steine, so dass es überhaupt nicht dunkel darin ist. Wir schießen noch ein paar Erinnerungsfotos, bevor wir uns vom Ionischen Meer verabschieden.

In fünf Tagen sind wir gut 20 Kilometer geschwommen. Nachmittags falle ich im Hotel in ein zweistündiges Koma. Spätabends, nach einem fröhlich-wehmütigen, letzten Dinner mit der Gruppe, die mir in kurzer Zeit ans Herz gewachsen ist, sitze ich mit einem Glas Weißwein und einer Zigarette auf dem Balkon. Ich schaue auf die Segelbootmasten und Lichter von Sivotas Hafen, mein Herz ist leicht, ich bin so froh und dankbar und überlege, wo es als nächstes hingehen könnte. Denn egal ob Griechenland, Kroatien oder Italien – auch nächstes Jahr werde ich wieder schwimmen, soviel steht fest. Die See ist immer noch ruhig. Alles ist möglich.

(Ionian Explorer, Juni 2019)

Info

SwimTrek gibt es seit 2003. Damals begann alles mit einem Trip auf den Kleinen Kykladen. Zehn Jahre später war genau das auch mein erster Swimtrek. Inzwischen gibt es Ziele auf der ganzen Welt, in Europa u.a. in Italien, Kroatien, Montenego, darüber hinaus in der Karibik, auf den Galapagos Inseln, Seychellen und Malediven.

Vier Tage Paris

Manchmal hat es durchaus etwas Gutes, so planungsverrückt wie ich zu sein. Kaum zurück aus dem Sommerurlaub überlegte ich, wohin die Reise in diesem Jahr noch gehen könnte. Dänemark im Herbst mit der Familie stand schon fest und war eine schöne Aussicht, aber nicht ganz das, was mir vorschwebte. Ich sehnte mich nach einem unbekannten Ort, nach einem Kurztrip nur für mich. Und dann kam mir auf einmal Paris in den Sinn – dort wollte ich schon so lange hin. Keine Stunde später hatte ich Flug und Hotel gebucht. Ich plane ja wirklich gerne, aber ich glaube, es war das erste Mal, dass ich bereits im Juli wusste, was ich Silvester machen würde. Ha!

Da es noch so lange hin war, war es allerdings auch schon bald wieder vergessen. In den folgenden Wochen und Monaten passierte es mir immer wieder, dass ich mich über irgendetwas ärgerte, weil in diesem vermaledeiten Jahr einiges nicht so lief wie erhofft, bis mir unvermittelt einfiel: „Aber Silvester bist du in Paris!“ Und dann musste ich von Ohr zu Ohr grinsen.

Am Ende lief auch mein Paristrip nicht ganz so wie erhofft. Ich hatte mir für den Silvesterabend eine Karte fürs Ballett gekauft – aber nicht nur die Métro, sondern auch die Oper wurde bestreikt. Dennoch fand ich die Stadt ganz wunderbar.

Was ich besonders mochte:

Sacré Coeur & Montmartre

Gleich zu Beginn bin ich hoch zur Sacré Coeur gelaufen und habe bei herrlichstem Sonnenschein den Blick über Paris aufgesogen. Anschließend bin ich durch Montmartre mit seinen vielen Cafés und Boutiquen gebummelt und habe mich an den Einheimischen erfreut, die ganz klischeehaft vor der Frommagerie Schlange standen und Baguette unterm Arm spazieren trugen. Pausiert habe ich im Restaurant des Hôtel d‘Amour mit seinem sehr schönen Innenhof. Eine Empfehlung von Okka Rohd.

Spaziergang an der Seine

Am zweiten Tag bin ich wieder bei strahlendem Sonnenschein vom Hotel zu Fuß durchs 2. Arrondissement und den Jardin du Palais Royal, am Louvre vorbei zur Seine gelaufen. Über die Ponts des Art rüber ins Quartier Saint-Germain-des-Prés. Dort hatte ich mir als Muss das Café de Flore notiert, bin dann aber bereits eine Ecke vorher im Le Bonaparte eingekehrt, wo ich im Wintergarten in der Sonne sitzen konnte. Von dort wieder zurück an die Seine, über die Pont Neuf auf die Île de la Cité. An der Notre-Dame vorbei, die in ihrem Gerüst einen sehr traurigen Eindruck machte – ich habe mich fast ein wenig geschämt, sie so zu fotografieren – und über die Pont Saint-Louis weiter auf die gleichnamige Insel.

Wer bei Sinnen ist, würde diese halb umrunden und am anderen Seineufer zurücklaufen und hätte damit einen sehr ordentlichen Spaziergang gemacht. Ich bin noch 2 Kilometer weiter marschiert, um im Piscine Joséphine Baker schwimmen zu gehen – davon berichte ich ein andermal –, und die ganze Strecke wieder zurück, denn es fuhr ja keine Métro. In Summe blickte ich am Ende des Tages auf 15 gelaufene und einen geschwommenen Kilometer zurück. Ich war dann gar nicht traurig über einen ruhigen Silvesterabend mit einer Flasche Crémant und und einer Tüte Chips im Hotelzimmer und habe kurz nach zwölf ein wenig kaputt und sehr zufrieden das Licht ausgemacht.

Bustour

Selten bin ich so frisch und munter in einen 1. Januar gestartet – bis ich zehn Schritte vor die Tür gesetzt hatte. Aua! Die Strecke vom Vortag hatte doch deutliche Spuren hinterlassen. Ich bin dann tapfer eine halbe Stunde zum Ladurée gehumpelt, eine bekannte Edel-Patisserie, wo es neben Macarons und anderem süßen Gebäck sehr gute Eggs Benedict geben sollte – und gab. Ansonsten würde ich die Läden allerdings meiden, da sehr teuer, und meinem Eindruck nach bekommt man hier auch in jeder kleinen Nachbarschaftsbäckerei hervorragendes Gebäck. (Mindestens ebenso gute Eggs Benedict habe ich am nächsten Tag für die Hälfte des Geldes bei Paperboy nahe des Canal Saint-Martin gegessen.*)

Noch im Café habe ich ein Ticket für eine Hop-on-Hof-off-Bustour gebucht. Ja, ich weiß – wie uncool. Aber wisst ihr was? Schon vor zwei Jahren habe ich diesen Snobismus runtergeschluckt, als ich mit meinem Bruder, meiner Schwägerin und meinen zwei kleinen Neffen in London war und gemerkt habe, dass das eine durchaus komfortable Art ist, eine Stadt zu erkunden. Nicht nur dass sie die geschundenen Füße schont, man hat aus so einem Doppeldeckerbus wirklich einen tollen Blick auf die Stadt – und nicht nur auf die Sehenswürdigkeiten, ich mochte es auch, im Vorbeifahren in die schicken Pariser Wohnungen zu linsen.

Mein Hotel

Übernachtet habe ich im Hôtel du Temps (ein Tipp von Hanna Schumi), das im 9. Arrondissement nahe des Gare du Nord liegt. Von dort sind etwa Sacré Coeur, der Louvre oder das Marais fußläufig gut zu erreichen – und damit meine ich innerhalb einer halben Stunde. Wenn die Métro streikt, wird fußläufig natürlich zum dehnbaren Begriff. Mein Zimmer war klein, aber fein; ich habe von den netten Mitarbeitern schon im Vorhinein tolle Restaurantempfehlungen bekommen; und in der kleinen Bar im Empfangsraum bekommt man nicht nur ein sehr gutes Frühstück, sondern kann auch zu jeder anderen Uhrzeit mit einem Tee oder Drink entspannen.

Paris, du warst sehr gut zu mir, und ich werde auf jeden Fall wiederkommen. Euch wünsche ich, was ein älterer Herr am 31. Dezember seinem Nachbarn die Arme in die Luft werfend über die Straße hinweg zurief: Bonne année et beaucoup d’amour!

* Ich liebe Eggs Benedict und nehme alle Empfehlungen diesbezüglich für Hamburg und den Rest der Welt dankend an.

Da dieser Beitrag Marken- und Produktnennungen sowie Verlinkungen enthält und das nach derzeitiger Rechtslage als Werbung gilt, kennzeichne ich ihn als WERBUNG. Es handelt sich dennoch um persönliche Empfehlungen.

Swimming Around the World: Wylie‘s Baths, Sydney

Dies ist keine Jahreszeit für Schwimmer. Die Freibäder haben geschlossen, und nur die Härtesten von uns gehen jetzt noch im See/Fluss/Meer schwimmen. Allen anderen bleibt das Hallenbad und mit etwas Glück ein beheiztes Außenbecken. Während ich meine Bahnen ziehe, träume ich oft von all den Orten, an denen ich noch schwimmen möchte. Ganz oben auf der Liste steht dieser Rockpool, von dem mir unser Guide Lizzie auf meinem ersten Swimtrek erzählte. Damit ihr euch mit mir dorthin träumen könnt, habe ich Lizzie gebeten, mir ein paar Fotos zu schicken und ein bisschen was dazu zu erzählen:

My name is Elizabeth (Lizzie) De Bono. I’m 44 and live in Melbourne Australia. I have been swimming all my life, but mostly in the open water, although I have done a lot of training in pools. My favourite pool is Wylie’s Baths in Coogee, Sydney. I discovered it in 2011 when I was on a short holiday in Sydney visiting a friend. It was around Christmas/New Year and the beach was so busy that when I discovered it, it was like a little haven. It is an ocean rock pool that is 50 yards long so that you can still have a decent swim whilst looking at the sea life. I started working there in 2012 and was there for 4 years, so I swam there most days. Now I just swim there when I visit Sydney, which isn’t often enough.

I love this pool and this place as it is a beautiful little oasis hidden away in a very busy beachside suburb. It is ever changing and can be calm and serene, or wild if the weather and ocean is wild. I always have a good swim there, and I love the atmosphere and the people that swim their daily and cherish it like it is a very important part of their family. It has a beautiful deck on stilts and is also a great place to sit quietly and read or just stare out to the horizon. Whilst working there I made many friends and also learnt about the strong swimming traditions associated with it. Those baths mean a lot of different things to a lot of different people and I enjoyed being a part of that. As I’m writing this I am kind of planning a trip back there, as I really miss it.

Danke Lizzie! Mehr Infos findet ihr hier, unter anderem zur Geschichte des Pools, der 1907 erbaut wurde und einer der ersten für Männer und Frauen in Australien war.

NYC – ein Schwimmabenteuer der anderen Art

Am 29. Juni 2015 saß ich auf einer Bank am Beckenrand des McCarren Pools in Brooklyn Williamsburg, blickte auf ein halb leeres Becken und weinte. Seit einem Monat war ich in New York und nicht einmal im Wasser gewesen. Ich wusste, dass ich auf der Straße keinen Alkohol und im Park keine Zigarette rauchen durfte. Ich hatte mich damit abgefunden, dass es im Supermarkt hundert Sorten Greek Joghurt gab, aber keiner davon vollfett war. Ich hatte vier Wochen im Flatiron Building gearbeitet, auch wenn ich offiziell nur zugucken durfte. Dies war mein erster Urlaubstag, ich hatte mich wie bekloppt darauf gefreut, endlich wieder ein paar Bahnen zu schwimmen. Und so gut ich die vielen seltsamen Regeln des amerikanischen Lebens inzwischen kannte, diese Logik wollte mir nicht in den Kopf: Der Sportbereich würde erst geöffnet werden, wenn der Kinderbereich zu voll sei, hatte mir einer von circa einem Dutzend Life Guards mitgeteilt, die sich am Beckenrand auf den Füßen standen. Schließlich schluckte ich meinen Tränen runter und schwamm 60 Bahnen entlang der Leine, die den übervollen Kinderbereich vom menschenleeren Sportbereich trennte. Das hatte ich mir anders vorgestellt!

Zu meinem 40. Geburtstag hatte ich mir einen Traum erfüllt: zwei Monate allein in New York City. Vier Wochen würde ich bei Flatiron Books zu Gast sein, um den amerikanischen Kollegen bei der Arbeit zuzuschauen, und anschließend vier Wochen Urlaub machen. Das einzige, was meine Vorfreude ein wenig schmälerte, war die Vorstellung, acht Wochen lang nicht schwimmen zu können. Da es kaum öffentliche Schwimmbäder in New York gibt und ich nicht vorhatte, für die kurze Zeit Mitglied in einem Sportverein oder Fitnessclub zu werden, hatte ich mir noch Zuhause die Finger wund recherchiert, bis ich die beste Entdeckung überhaupt machte: die New Yorker Park Pools.

In den New Yorker Parks gibt es – auf alle fünf Burroughs verteilt – circa 35 Freibäder, die in den Sommermonaten geöffnet und kostenlos sind. Elf von ihnen, darunter der McCarren Pool, wurden in den dreißiger Jahren im Rahmen einer New-Deal-Arbeitsbeschaffungsmaßnahme erbaut und im Sommer 1936 von Bürgermeister La Guardia eröffnet. Elf Pools, die damals, sowohl was Ingenieurskunst als auch Design betraf, State of the Art waren und fortan tausende Familien und Sportler aus der Nachbarschaft anzogen, die es sich nicht leisten konnten, den heißen New Yorker Sommer in den Hamptons zu verbringen. Mit einer Ausnahme wurden alle zuletzt in den Achtzigern renoviert – das sieht man ihnen leider auch an –, nur der McCarren Pool in der Hipsterhochburg Williamsburg war erst 2012 modernisiert worden und sah immer noch tip top aus. Es war eine Schande.

Drei Tage später fuhr ich mit dem Rad 40 Minuten in den Westen Brooklyns und startete einen neuen Versuch im Red Hook Pool. Zuvor hatte ich mich auf der Seite von NYC Parks schlau gemacht, denn natürlich gibt es klare Regeln: Man hat selbst ein Schloss für den Spind mitzubringen, Essen, Glasflaschen, elektronische Geräte und Zeitungen (!) sind gefälligst zu Hause zu lassen. Ich zog mich in einer Turnhalle um, schloss meine Sachen ein, duschte und betrat nervös den Außenbereich, wobei ich erst zwei Security Ladies passieren musste, prompt meine nagelneue Sonnenbrille fallen ließ – und ein herzliches „Be careful with those Ray Bans, honey!“ erntete. You gotta love New York even though you don’t understand the rules …

Ich atmete erleichtert auf und grinste von Ohr zu Ohr: ein großer Sportbereich fast für mich allein. Glücklich zog ich meine Bahnen und ließ mich dabei auch nicht von dem Police Officer irritieren, der am Beckenrand patrouillierte. Die Sicherheitsmaßnahmen mögen einem übertrieben erscheinen, aber viele der Pools befinden sich in sozial schwachen Gegenden, und bei 30 Grad plus und überfüllten Becken kam es in der Vergangenheit wohl schon das ein oder andere Mal zu Randale. In der folgenden Woche hatte ich Besuch von meinem Freund Lars, der im Gym neben der Männerturnhalle aka Umkleide Zeuge einer kleinen Schlägerei wurde.

Mit Lars fuhr ich auch noch zwei Tage in die Hamptons, verlor in der Brandung des Atlantiks fast mein Bikinioberteil und war schwimmtechnisch eigentlich schon mit New York versöhnt, aber einen Pool wollte ich doch noch ausprobieren. An meinem vorletzten Tag fuhr ich daher eine Stunde mit der Bahn nach Queens zum Astoria Park, am East River zwischen Robert F. Kennedy und Hell Gate Bridge gelegen, und traute fast meinen Augen nicht: Der Astoria Pool ist der größte der elf 1936 erbauten Pools und misst 50 mal 100 Meter. Hier trainierte das US-Schwimmteam für die Olympiade in Berlin. Und sowohl Ausmaß als auch Lage sind einfach spektakulär.

Am „kurzen“ Ende gab es einen abgetrennten Schwimmerbereich, in dem einige ältere Damen, als ich eintraf, noch Wassergymnastik machten. Ich setzte mich auf die Stufen unter die Sonnensegel, sah ihnen zu, dann tauschten wir – ich schwamm, während sie auf den Stufen saßen und tratschten. Da Astoria das Little Greece New Yorks ist, kehrte ich anschließend beseelt in einem kleinen griechischen Restaurant gleich neben dem Park ein. Es war einer dieser perfekten New-York-Momente.

Am 25. Juli 2015 saß ich an einem Tresen in Brooklyn Bedford Stuyvesant, blätterte durch die Fotos auf meinem Handy und verdrückte ein paar Tränen. Ich war vierzig und single, hatte mir einen Traum erfüllt und zwei großartige Monate mit Höhen und Tiefen in dieser verrückten Stadt verbracht, und ich war alles gleichzeitig: beschenkt und dankbar, planlos und traurig, stolz und glücklich.

Kleine Auszeit: Sylt

Wenn die Sehnsucht nach dem Meer zu groß wird, rufe ich im Haus Noge an. Das kleine Hotel im Süden Westerlands ist meistens ausgebucht. Aber mit etwas Glück gibt es innerhalb der nächsten Wochen noch ein Zimmer für eine Nacht, und sei es von Mittwoch auf Donnerstag. Man kann von Hamburg aus natürlich schneller am Meer sein, aber wenn ich Sehnsucht nach dem Meer habe, dann meine ich: Dünen, weitläufigen Strand, möglichst wenige Menschen und nicht die Badewanne Ostsee, sondern die raue Nordsee.


Viele verbinden mit der Insel Sansibar, Schampus und Schickimicki. Kann man haben, kann man aber auch umgehen und sich viel unprätentiöser erholen: In Altona am Fahrkartenautomaten nach Mitreisenden Ausschau halten, sich ein Schleswig-Holstein-Ticket teilen und nur 8 Euro für die Fahrt zahlen. Vom Bahnhof zehn Minuten zum Hotel laufen, Tasche abstellen und fünf Minuten später am Strand sein. Dann nur ein paar Meter gen Süden sich einen Strandkorb schnappen (halber Tag 6 Euro, ganzer 10,50) und: Einatmen, ausatmen, Akku aufladen.


Ich kann stundenlang mit Buch im Strandkorb sitzen, aufs Meer schauen, der Brandung lauschen, zwischendurch eine Runde schwimmen, Nickerchen machen. Bin ich im Winter da, marschiere ich am Strand ein paar Kilometer Richtung Norden und kehre für Tee und Kuchen in der Kupferkanne in Kampen ein. Sommers wie winters empfehle ich einen Drink in einem der Strandkörbe der Strandoase, die auf einem Steg über den Dünen stehen. Dort kann man auch gut essen. Eine günstigere Alternative ist, sich Pommes und Burger in der Beach Box zu holen und im eigenen Strandkorb zu genießen. Drei Minuten vom Haus Noge entfernt liegt die Seekiste, ein gemütliches, kleines Restaurant mit friesischen Kacheln an der Wand. Hier kehre ich ein, wenn ich mit einer Freundin da bin und wir uns einen besonders schönen Abend machen wollen.


Das Haus Noge ist ein altes Kapitänshaus mit nur acht Zimmern, jedes individuell gestaltet und liebevoll eingerichtet. In fünf davon habe ich schon übernachtet und immer sehr gut geschlafen, zuletzt letzte Woche im Balkonzimmer. Inzwischen ist es fast schon eine kleine Tradition für mich, den Sommer auf Sylt zu verabschieden. Ich bin mir sicher, spätestens im Frühling bin ich wieder da. Aber vielleicht packt mich auch schon im Winter die Sehnsucht, an der See ist es ja zu jeder Jahreszeit gut.

PS Die Bilder sind von 2014 – damals war offenbar noch Hipstamatic angesagt.

Da dieser Beitrag Marken- und Produktnennungen sowie Verlinkungen enthält und das nach derzeitiger Rechtslage als Werbung gilt, kennzeichne ich ihn als WERBUNG. Es handelt sich dennoch um persönliche Empfehlungen.