Ich träume von … Paxos

Mein letzter Swimtrek, der Ionian Explorer, ist der einzige in Griechenland, der als Ausgangspunkt keine Insel, sondern einen kleinen Ort auf dem Festland hat. Geflogen bin ich dennoch auf eine Insel: nach Korfu, und von dort mit der Fähre weiter. Wie immer wollte ich an die Woche Schwimmen noch eine Woche Rumliegen dranhängen, am liebsten natürlich auf einer Insel. Nach kurzer Recherche war mir klar: Korfu würde es nicht sein – zu groß, zu touristisch. Ich studierte noch einmal die Karte und entdeckte zwei kleine Flecken südlich von Korfu: Paxos und Antipaxos. Heureka!

Paxos ist mit seinen circa 19 Quadratkilometern noch kleiner als Folégandros, seine kleine Schwester Antipaxos misst nur fünf Quadratkilometer. In der griechischen Mythologie heißt es, Poseidon habe Paxos mit seinem Dreizack von Korfu abgetrennt, um ein Liebesnest für sich und seine Geliebte Amphitrite (Beherrscherin der Meere) zu schaffen. Wenn das nicht der perfekte Ort für diese Beherrscherin der Meere war, um sich von 20 geschwommenen Kilometern zu erholen!

Gebucht hatte ich eine für meine Verhältnisse recht luxuriöse Unterkunft, das Paxos Beach Hotel, circa 20 Gehminuten außerhalb des Hauptortes Gaios: eine hübsche Anlage aus mehreren Bungalows, terrassenartig angelegt und mit einem kleinen Privatstrand. Ich habe mich dort augenblicklich so wohl gefühlt, dass ich spontan die zwei Nächte, die ich zum Abschluss in Korfu Stadt verbringen wollte, stornierte, um länger bleiben zu können.

Meine Zeit verbrachte ich abwechslungsarm und tiefenentspannt: Schlafen, essen, schwimmen, lesen, dösen, Wein trinken, repeat. Da ich aus Versehen Halbpension gebucht hatte, gab es kaum einen Grund, das kleine Paradies zu verlassen. Ab und zu bin ich abends nach Gaios geschlendert, um dort durch die kleinen Gassen zu bummeln, Eis zu essen oder einen Ouzo mit Blick auf die Segelboote im Hafen zu trinken. Einmal fuhr ich nach Antipaxos, wohin kleine Boote pendeln, die einen dort direkt am Strand absetzen. Ein andermal ließ ich mich in Ermangelung eigener Fahrtüchtigkeit von einem der drei Taxifahrer Paxos‘ nach Lakka im Norden der Insel bringen.

Es war mein erster Strandurlaub allein, und es wurde mir nicht eine Minute zu lang. Ich habe in der Woche drei Bücher gelesen, eine Geschichte übers Schwimmen im Meer geschrieben und mich an einem Abend sogar mit Carrie und Steve aus San Francisco zum Essen getroffen, mit denen ich eine Woche zuvor noch das Ionische Meer durchschwommen hatte. Auch wenn mein Herz ganz besonders an der Ägäis hängt und ich nächstes Jahr unbedingt wieder dorthin möchte, träume ich gerade, an verregneten Hamburger Sommertagen, von Paxos.

Anreise: Da es von Deutschland viele Direktflüge nach Korfu gibt und die Fähre von dort nach Paxos mehrmals täglich geht, ist die kleine Insel relativ einfach zu erreichen.

Da dieser Beitrag Marken- und Produktnennungen sowie Verlinkungen enthält und das nach derzeitiger Rechtslage als Werbung gilt, kennzeichne ich ihn als WERBUNG. Es handelt sich dennoch um persönliche Empfehlungen.

Sommerpasta mit grünen Bohnen und Petersilienpesto

Auf den ersten Blick fand ich die Kombi aus grünen Bohnen und Nudeln ungewöhnlich, inzwischen zählt dieses Nudelgericht zu meinen liebsten im Sommer. Im Urlaub musste ich es auf ausdrücklichen Wunsch meiner reizenden Reisebegleitung gleich zweimal kochen. Ich hoffe daher, euch macht es auch so glücklich.

Zutaten für zwei Portionen:

2 El gehackte Mandeln

1 Bund glatte Petersilie

40 Gramm Parmesan

6 El Olivenöl

1 Zwiebel

1 Knoblauchzehe

250 Gramm Strauchtomaten

250 Gramm grüne Bohnen

180 Gramm Tortiglioni (oder Penne)

Mandeln in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten. Petersilienblätter abzupfen. Käse fein reiben. Mandeln mit Petersilie im Mixer kurz pürieren. In einer Schale mit 5 El Öl und Käse zu Pesto verrühren und mit Salz und Pfeffer würzen.

Bohnen putzen und schräg halbieren. In einem großen Topf reichlich Wasser für die Nudeln und Bohnen aufsetzen. Zwiebel halbieren und in Streifen schneiden. Knoblauch in dünne Scheiben schneiden. Von den Tomaten den Stielansatz entfernen. Tomaten in grobe Stücke schneiden.

Wenn das Wasser kocht, Nudeln darin nach Packungsanweisung garen und die Bohnen circa 10 bis 12 Minuten dazugeben und mitgaren. Währenddessen 1 El Öl in einer Pfanne erhitzen. Zwiebeln und Knoblauch darin 2 Minuten dünsten. Tomaten zugeben und 3 Minuten mitdünsten, salzen und pfeffern.

Nudeln und Bohnen abgießen und tropfnass in die Pfanne zu den Tomaten geben. Alles mit dem Petersilienpesto mischen. Mit Parmesan servieren.

The Green Wide Open

Es war perfekt, es war genau das, was wir brauchten – nach zwölf Wochen Homeoffice, zwölf Wochen in der Großstadt, in denen wir von dieser nicht viel mehr als die eigenen vier Wände gesehen hatten: ein kleines Traumhaus an der Mecklenburgischen Seenplatte, das wir mit viel Glück ergattert hatten, bevor der große Ansturm auf Ferienunterkünfte in Deutschland einsetzte.

Ich habe noch nie eine so liebevoll und großzügig eingerichtete Ferienwohnung gesehen: bis ins Detail geschmackvoll eingerichtet, schöne Bettwäsche – die ich mir inzwischen nachbestellt habe –, eine vorzüglich ausgestattete Küche.

Wir haben morgens mit Blick ins Grüne gefrühstückt und darauf gewartet, Herbert, das Reh, auf der Wiese zu begrüßen. Wir sind mit den Rädern durch den Wald gefahren und haben am See auf dem Steg gesessen, ich bin hindurchgeschwommen – ein ganzer See für mich allein nach dreimonatigem Schwimmentzug!* Wir haben in der Sonne gelegen und gelesen, gedöst und gelesen und aufs Feld geguckt: Schau, da ist wieder Herbert! Oh, ich glaube, Herbert hat ein Kind. Und eine Frau! Wir haben gekocht und bis spätabends auf der Terrasse gesessen, Weißwein getrunken, Kniffel gespielt, den Grillen gelauscht. Und wir haben hervorragend geschlafen.

Es war die perfekte Corona-Auszeit. Ich habe in der gesamten Woche nur einmal Maske getragen, als wir unseren Wocheneinkauf in Rheinsberg getätigt haben.** Aber auch ohne Pandemie: The Green Wide Open ist einer dieser Orte, an den ich immer wieder kommen möchte. Abschalten, ausatmen, aufatmen, Akku aufladen.

Tipp: Mit dem Rad durch Wald und Wiesen von Wustrow Richtung Canow fahren. Man kommt an zwei Seen vorbei, am zweiten finden sich drei Stege.

* Es lohnt sich unbedingt, Räder mitzunehmen!

** Der nächste größere Supermarkt ist circa zwanzig Minuten mit dem Auto entfernt.

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Ich träume von … Folégandros

Der Sommerurlaub wird wohl für die meisten von uns anders ausfallen als geplant. Statt drei Wochen nach Griechenland werde ich eine Woche an die Mecklenburgische Seenplatte und ein paar Tage an die Ostsee fahren. Und wie wunderbar ist das, dass ich diese Möglichkeit habe! Dafür bin ich sehr dankbar in diesen Zeiten. Aber: Wenn ich von Sommer träume, vom Abschalten, vom Abstand zum Alltag gewinnen, vom Schwimmen im Meer, von gebräunter, nackter Haut, von Sonnenuntergängen, davon, bis spätabends leicht bekleidet draußen zu sitzen, dann träume ich von Griechenland. 113 bewohnte griechische Inseln gibt es, zehn habe ich bisher bereist. Nichts! Dennoch werde ich ab und an von Freund*innen und Kolleg*innen nach Tipps gefragt. Die meisten, die nur mal schnell für eine Woche in die Sonne wollen, muss ich enttäuschen. Denn meine liebsten Inseln erreicht man nicht per Direktflug, für die Anreise muss man eigentlich immer eine zusätzliche Nacht für einen Zwischenstopp einplanen. Aber es lohnt sich!

Vor drei Jahren war ich auf Folégandros, eine der kleinsten Kykladeninseln in der Ägäis: mit 33 Quadratkilometern ungefähr so groß wie Pellworm, um die 800 Einwohner, nur mit dem Schiff zu erreichen. Folégandros ist karg und felsig und besticht vor allem mit einer sehr schönen Chóra (so werden die Hauptorte auf den Inseln genannt), die unmittelbar am Felsabhang liegt. Zu den Stränden gelangt man mit einer Ausnahme nur zu Fuß oder aber mit dem Boot. Wir haben meistens vormittags den Bus nach Angáli genommen (zehn Minuten) und von dort ein Boot zum Strand Livadáki. Dort gibt es zwar keine Liegen und Sonnenschirme – was ich, alte Frau, gewöhnlich sehr schätze –, aber jede Menge Tamarisken, die Schatten spenden, und eine sehr nette Strandbar. Lesen – schwimmen – dösen – Frappé trinken – repeat. Einmal haben wir uns auch ein Auto gemietet und sind zu einem hübschen, kleinen Kiesstrand weiter im Norden gefahren (und circa zwanzig Minuten gelaufen), wo wir fast alleine waren.

Abends lässt es sich wunderbar durch die Gassen der Chóra flanieren, deren ältester Teil, das Kástro-Viertel, im 13. Jahrhundert als Wehrsiedlung erbaut wurde. Es gibt zahlreiche nette Läden und Tavernen – am späten Abend versammelt sich gefühlt der ganze Ort auf den Plätzen zum Plausch. Ich liebe es!

Folégandros‘ einzige Sehenswürdigkeit ist die Panagía-Kirche am Steilhang oberhalb der Chora, zu der ein gewundener Weg hoch führt. Den Aufstieg sollte man unbedingt auf sich nehmen: Oben erwartet einen ein fantastischer Panoramablick über die Insel – vor allem zum Sonnenuntergang spektakulär.

Ich würde nicht unbedingt zwei Wochen auf Folégandros verbringen, eine fand ich perfekt – und dann weiter zur nächsten Insel, zum Beispiel Mílos.

Übernachten: Wir waren im Hotel Anemousa, das am Ortsausgang der Chóra liegt, mit tollem Blick aufs Meer, und haben uns dort trotz Wind sehr wohl gefühlt.

Anreise: Man kann zum Beispiel (via Athen) nach Mílos oder Santoríni fliegen und von dort die Fähre nehmen. Oder aber die Fähre ab Piräus (Athen), die Überfahrt dauert dann etwas länger.

Julia and the Sea

Standing on board, looking at the sea, I‘m feeling both excited and nervous. Usually, Dimitris takes tourists to the remote beaches you can only reach by boat. Today he has a different bunch than usual: 14 women and men who are about to jump into the water and swim two kilometers around an island. It’s called swimtrekking and is by far not as crazy as it may sound. Other people hike in their holidays, we swim.

Simon, one of our guides, is giving us a sign that it’s time for the Oranges. We are split into three groups according to swim speed. I’m in the slow one. We wear orange caps and we go in first, getting a little head start before the pink and yellow caps so we all finish our swim at about the same time. Before we start, though, it’s arms in the air: Eoin, our second guide, has the pleasure to rub Vaseline on our sensitive parts – under the armpits and the swimsuit straps – to protect us from chafing.

I check one last time whether my goggles are tight – nothing is more annoying than salt water leaking into your eyes while you’re swimming. Then I jump. When all four of us are in the water, we confirm once more about the direction we are supposed to swim – clockwise around Mourteméno. Mourteméno is one of four uninhabited islands that lie close to the mainland in the Ionian sea. It is densely wooded with olive and pine trees and has only a few scattered pebble beaches. As always, I do a couple of breast strokes before switching to front crawl. All my nervousness is gone. I’m breathing to my right, two strokes, breathing to my left, and I’m smiling from ear to ear. The sea is perfectly flat, the water temperature is a pleasant 21 degrees, and the topography beneath me is incredibly beautiful. Mourteméno‘s rocky collar displays the wildest shapes under water. There is so much to see and discover that Simon, who tracks us from a small boat, keeps shouting: „Don‘t race, explore!“ He doesn‘t have to tell me twice.

We swim into caves and through rock arches. I check every alcove, spot carmine starfish clinging to rocks, avoid all sea urchins carefully, see fish in all shapes and colors – blue and green ones smaller than my pinky who only show up in swarms and get all agitated when I come close, yellow and black patterned beauties who pose with elegance between the rocks, and grey ones as big as my hand hiding in the sea grass. It’s like swimming in an aquarium.

After about an hour, we have circled the island and climb back on board. In the afternoon, we swim halfway around the next island Ágios Nikólaos; after 1.7 kilometers we finish at a gorgeous little beach where Eion is waiting with coffee and cookies. The water is crystal clear and shimmering in the most beautiful turquoise – I can’t imagine it being any better in the Caribbean.

In the evening, our group gathers in a tavern at the waterfront. We are a ragtag bunch, between 26 and 62, four Germans, two Americans, seven Brits – one of whom lives in Shanghai, another in Spain. One of us came all the way from Zimbabwe. We are ordering Greek salad, mezze and fresh fish, the table is overflowing with beer, wine and ouzo glasses. Swimming makes you hungry and thirsty. Simon is telling us how he became a SwimTrek guide. He had always been passionate about water sports but only a while ago, when he hit fifty-something, did he decide to quit his office job and swap the desk for the sea. Based on the happy face that welcomes us every morning, it was the right decision.

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The next day, my arms feel tired and my neck is sore. But then, again there is so much to discover that every pain is soon forgotten.

On day three the muscle ache is joined by sunburn – being in the water for over an hour I don’t stand a chance, even with SPF 50. Oh well, my thighs will be tanned like never before by the end of the trip – the backside! To protect my back, I’m wearing a swim shirt with long sleeves. Today we only have one long swim: 4 kilometers around Mourtos – another dark green splotch with light grey fringes in the Ionian blue. I’m feeling a little queasy, the 2.5 kilometers yesterday morning were already pretty tough. Back home in Hamburg I never swim more than 2.5 kilometers in the pool. I know, though, that the distance is not the problem, it’s my constant worry about not being able to keep up with the others.

I’m recalling something my guide last year, Tasmin, said. She is from the Channel Islands, has escorted a couple of Channel swims and told me: „Open Water Swimming is 10 % physical strength and 90 % mental.“ I’m breathing in, breathing out, and diving into the next adventure.

Meanwhile, there are now only three Oranges. Rihannon, who works at the SwimTrek office, had to go back already. So it’s just Sheryl, Richard and me. The surface of the water is as placid as in a bathtub. The three of us are swimming at almost the same speed. I‘m quickly falling into my rhythm, my arms surprisingly feel better then yesterday. I’m doing stroke after stroke, hearing nothing besides my breath, and after about half a kilometer I know: This swim is going to be good.

Simon always keeps an eye on us, while at the same time he keeps enough distance with his boat so that we feel happily alone. Only now and then we swim towards him to get an update on how far we’ve already swum and to grab something to drink. To honour the occasion of the long swim the guides today also hand out wine gums – they neutralize the taste of salt in the mouth at least for a short time.

At some point we almost lose another orange cap. Richard is heading toward another island but Simon catches him before he’s gone too far. I can’t help smiling. On our first evening Richard introduced himself saying: „My orientation is disastrous.“ Oh yes. I keep expecting him to collide with a rock but he always stops short at the last second and looks surprised – as if he‘s thinking: „What are you doing here?“ – then swims on. Unlike Richard, I am good at breathing to both sides, a huge advantage to keeping an eye out in open water.

After almost two hours we reach the bay that is supposed to be our destination today, but there are two party boats floating there; the water is crowded with people and their pool noodles. We decide to keep swimming. Simon informs Dimitris over the radio about our new destination. When, finally, after 4 kilometers, I crawl on board, someone hands me a cold beer. I’m wiped out – and happier than I’ve been in a long time.

Life has shaken me quite a bit over the last two years. But at this moment on a boat in the Ionian Sea, I’m feeling one with myself for the first time in a long while. I’m not missing anything or anybody. Like every sports activity, swimming is always therapeutic – as well as being a way to get out in the wild. My biggest joy comes when everything feels right and I reach a kind of flow state: When the water is calm, when nothing hurts, when I find my rhythm und am keeping up with the others. Like today. In this state, thoughts that went in circles back home start flowing as well. What seemed big only two weeks ago is now small. Until I’m not thinking about anything. Except: Oh, look, an orange starfish.

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On day four the sea is as calm as it’s been all week. In the morning, we do two crossings. What I love about crossings: At some point it’s so deep you can’t see the seabed anymore. Just endless blue with rays of sunshine darting through it. First we swim from the mainland to an island, or rather a big barren rock. From the rock, we swim to the next island that we are circumnavigating. Small Mourteméno is like a big playground for swimmers. Again and again I take a break and climb on a rock to enjoy the view and to see if I can catch a glimpse of the pink and yellow caps following us. In the afternoon, we swim around the second half of Ágios Nikólaos – with that we have circled all four islands.

We have almost perfect conditions on this SwimTrek. It’s not always like this: you can’t book nice weather and calm seas. On other trips, I’ve been swimming against waves and currents so hard that I felt like that I wasn’t moving at all. Instead of taking a breath, I swallowed so much salt water that I thought: Why am I doing this shit? Why am I not lying lazily on the beach? But then, just a short while later, I sat on deck with a mug of hot tea looking at the wavy see and felt a little bit proud that I had overcome this challenge. With every SwimTrek my confidence grows. Today I even go for a swim in the open sea all by myself – unimaginable a couple of years ago.

Finally, on our last day, I’m feeling my limitations despite the perfect conditions. Again, we swim 4 kilometers in one go, this time along the mainland coast, and I’m sensing the last four days of swimming in every muscle, every bone. My arms are tired, my shoulder hurts, every stroke takes all my strength. While Sheryl and Richard seem to get faster every day, I only get slower. I have to try very hard not to focus on the pain but to enjoy every minute in the water. So I focus on my technique, recalling what Simon told me: high elbow – aaa… – and rotation of the upper body. As I slowly fall back into my rhythm, I repeat in my head a sentence that a swim buddy gave me on my first SwimTrek. He told me he always give thanks to his body. This may sound a bit weird but it’s true. I’m forever thankful for this body that carries me more or less easily through the water. I’ve had a couple of slipped discs in the past, in my upper and lower back, I’ve been in chronic pain over month. And now I can swim a couple of kilometers in open water. Therefore: „Thank you, body. Thank you, body. Thank you, body.“

I’m swimming slowly but steadily along the coastline when suddenly Richard is swimming in the opposite direction, toward me. Has he now lost all sense of direction? I’m laughing: „What are you doing?“ With the most lovely British understatement, he replies: „Oh, just taking a little swim. How about you?“ But of course Simon must have asked him to loop around me – that way the guides make sure that the group doesn’t drift too far apart.

Just before we finish we reach one last highlight: two caves. In the first one the water is so cold you could chill white wine in it. The second one only fits three swimmers but has beautiful white stones on the ground so that it’s not dark at all inside. We take a couple of pictures before saying goodbye to the Ionian Sea.

We have swum about 20 kilometers in five days. In the afternoon, I fall into a two hour coma on my hotel bed. Late in the evening, after one last cheery, yet already nostalgic dinner with the group – people I’ve grown so fond of in such a short time – I’m sitting on the balcony with a glass of white wine and a cigarette. I’m looking at the masts of the sailing boats and the lights of Sivota’s harbour. My heart is light. I’m so happy and thankful. And I’m contemplating where I might go next. No matter if it’s Greece, Croatia or Italy, it’s definitely going to be a SwimTrek, that’s for sure. The sea is still calm. Everything seems possible.

(Ionian Explorer, June 2019)

Noch mehr Buchtipps von noch mehr tollen Kolleginnen

Carolin empfiehlt The Most Fun We Ever Had von Claire Lombardo

The Most Fun We Ever Had war für mich eins dieser Bücher, nach denen ich erstmal eine Lesepause brauche, weil ich so traurig bin, dass es zu Ende ist, und es mir wie ein Verrat vorkäme, direkt zum nächsten Buch überzugehen. Ein dickes Buch (was mich eigentlich immer erstmal abschreckt), das mich komplett begeistert hat. Es geht um die Familie Sorenson, Marilyn und David und ihre vier erwachsenen Töchter Wendy, Violet, Grace und Liza, die wir (nicht chronologisch) in der Zeit von 1975 bis 2016 begleiten. Ich will gar nicht zu viel zum Inhalt verraten, aber es stellte sich mir bei mir der gleiche Effekt ein wie zum Beispiel bei Franzens Korrekturen: Jedes Mal, wenn die Erzählung wieder zu einem anderen Familienmitglied sprang, war ich einerseits kurz traurig, weil man jemanden verließ, um dann im nächsten Moment zu denken: Ach ja, wie geht’s denn eigentlich Grace/David/Wendy? Die Figuren sind alle so wunderbar unperfekt, relatable und faszinierend zugleich. Ein Buch über Familie, Frauen, Liebe, Verlust, Geheimnisse – absolute Lesempfehlung! Auf Deutsch ist es bei dtv erschienen unter dem Titel Der größte Spaß, den wir je hatten.

Lisa Marie empfiehlt Max, Mischa & die Tet-Offensive von Johan Harstad

Meine Kolleginnen werden vielleicht schmunzeln, wenn sie diese Zeilen lesen, weil es mein Herzensbuch des letzten Jahres war und ich meine Begeisterung über Monate durch die Verlagsflure trug. Vielleicht ist es auch mein Herzensbuch für immer. Und vielleicht und ganz besonders gerade jetzt, weil man in diesen Zeiten ein Buch an seiner Seite braucht, das einem die Einsamkeit nimmt. Figuren, die einen an die Hand nehmen, das Leben teilen, mit all seiner Tragik, Komik und Schönheit. Figuren, die meine Freunde wurden, die mich wieder und wieder wohlig in den Arm schlossen, auch wenn wir für eine längere Zeit voneinander getrennt waren.

Ich habe Sätze gelesen, die ich nicht vergessen konnte, die ich abtippte, egal ob es zwei oder fünf SMS wurden, um sie Herzensmenschen meines Lebens zu schicken. Ich habe gelitten über jede schlechte Kritik, habe in den Wochen rund um Erscheinen mehrmals am Tag die Amazon-Bewertungen aktualisiert. Ich habe Kunstwerke des Autors, die neben so vielem anderen eine große Rolle im Buch spielen, an meine Wohnzimmerwand gehängt, habe Filme nachgeschaut, die zwischen den Seiten kurz erwähnt oder lang besprochen wurden. Ich habe Klavier-und Jazzmusik gehört, im stetigen Wechsel und über Wochen, weil sie einige Figuren über eine lange Zeit begleiten. Ich folge seitdem der Spotify-Liste, die es zu diesem Roman gibt. Das Buch und ich, wir wurden zu einer Lovestory.

Ja, es ist ein Herzensbuch und was für eines. Auf dass es in die Welt getragen werden und Menschen finden möge, die Liebende werden, am besten für immer.

Anne-Claire empfiehlt, etwas zu basteln, wenn gerade keine Muße zum Lesen ist

Um es mit den Worten von Marlene Hellene zu sagen: „Gleichzeitig Home-Officeing, Home-Schooling, Home-Haushalting und Home-Bespaßungsclowning. Ergibt Home-Nervenzusammenbruching.“ Ganz so schlimm ist es nicht, aber gefühlt rast mein Hirn seit 7 Wochen – insbesondere dann, wenn es ruhig wird, die Kinder eingeschlafen sind und eigentlich Zeit zum entspannten Lesen ist. Dann springe ich noch schnell auf Spiegel Online, um mir die neuesten Corona-Entwicklungen durchzulesen, überlege, welches Mittagessen am nächsten Tag zeitlich zwischen Google-Hangout und akuter 6-jährigen Unterzuckerung passt, ob schon neue Vorschulmaterialien zum Download bereitstehen, wann der nächste Einkauf fällig ist, und wo die Liste mit den Dingen liegt, die ich noch meinen Eltern bringen wollte.

Was mich statt Lesen runter gebracht hat, ist etwas ganz anderes: Schneiden und Kleben. Ein Jahr nach unserem Japan-Urlaub im vergangenen Jahr, habe ich endlich Erinnerungsalben für meine Kinder gebastelt, habe Materialien sortiert, die seit unserer Rückkehr in einer Tüte lagerten, Bilder ausgeschnitten und Eintrittskarten aufgeklebt. Wenn ich Papier in meinen Fingern habe und konzentriert eine Linie entlang schneide, dann hat das für mich etwas Meditatives. Und die Erinnerung an unsere Erlebnisse im fernen Japan haben den Radius meiner aktuell sehr kleinen Welt wieder etwas größer werden lassen. Begleitet auf meiner Erinnerungsreise haben mich zwei Bücher: Japan. Der illustrierte Guide von Marco Reggiani mit Illustrationen von Sabrina Ferrero und Tokyo on Foot. A graphic memoir and sketchbook von Florent Chavouet. Die Stile beider Bücher könnten unterschiedlicher nicht sein – vielleicht so gegensätzlich wie das Land selbst.

Während Reggiani mit seinem Buch eher einen klassischen Reiseführer verfasst hat und neben Sitten und Gebräuchen die gängigen Sehenswürdigkeiten und Highlights der japanischen Küche abbildet, hat der Franzose Chavouet auf seinen Streifzügen durch die japanische Metropole Beobachtungen aus dem japanischen Alltag eingefangen. Sein Skizzenbuch wurde ein Reisetagebuch seines sechsmonatigen Aufenthalts in Tokyo.

Und zu guter Letzt auch noch eine Empfehlung der Bücher eines japanischen Illustrators, Hirofumi Kamigaki/ Ic4design, für alle Unruhegeister, die gerne Knobeln: Bei den labyrinthischen Suchbilderbüchern kommen von 6 bis 99 Jahren alle auf ihre Kosten und auch beim X-ten Blick ins Buch gibt es auf jeder Seite wieder etwas Neues zu entdecken.

Danke, ihr Lieben! Na, denn auf zur Buchhandlung eures Vertrauens!

Dinner for One: Spargelrisotto

Ihr Lieben, wie geht es euch? Ich habe heute den Boden in der gesamten Wohnung gewischt (eventuell das erste Mal seit Einzug vor acht Jahren) sowie den Hula-Hoop-Reifen vom Dachboden geholt und zehn Minuten lang zu beherrschen versucht (Muskelkater morgen garantiert; und nein, das fällt für mich nicht unter Selbstoptimierung, sonder unter: whatever keeps me sane and happy). Darunter fällt auch Kochen. Und besonders happy macht mich die Kombi aus Spargel und Risotto.

Zutaten für zwei Portionen:

1 kleine Zwiebel

250 Gramm Spargel (grün/weiß oder gemischt)

40 Gramm Parmesan

180 Gramm Risottoreis

Ca. 800 Milliliter Gemüsebrühe

Ein großzügiger Schuss Weißwein

Evtl. ein bisschen Zitronensaft

1 Stück Butter

Salz & Pfeffer

Zwiebeln klein schneiden und in einem Topf in etwas Olivenöl bei mittlerer Hitze glasig dünsten. Risottoreis hinzufügen und ca. eine Minute unter Rühren mit erhitzen. Mit Weißwein ablöschen, weiter rühren. Wenn der Wein eingekocht ist, gerade so viel heiße Brühe hinzufügen, dass der Reis bedeckt ist. Der braucht jetzt noch circa 20 Minuten.

Währenddessen weißen Spargel schälen, von grünem und weißem Spargel die Enden entfernen und die Stangen in mundgerechte Stücke schneiden. In einem Topf mit Wasser und je einer großen Prise Salz und Zucker den weißen Spargel ca. 10, den grünen ca. 5 Minuten kochen (ich mag die Kombi aus beidem und schmeiß den grünen Spargel einfach etwas später dazu). Anschließend abgießen.

Gleichzeitig das Risotto im Blick behalten, immer mal wieder Brühe nachgießen und schön rühren. Zitrone ausdrücken, Parmesan reiben. Zum Ende der Garzeit Risotto mit Salz und Pfeffer und etwas Zitronensaft abschmecken. Zum Schluss Spargelstücke und Parmesan unterheben.

PS Und ja, hier wird der Weißwein inzwischen aus Saftgläsern getrunken.

Wenn das alles überstanden ist, werde ich …

~ mindestens dreimal die Woche schwimmen gehen,

~ ins Büro meinen neuen Rock/Hose/Schuhe/Bluse … tragen,

~ nach der Arbeit einen Whisky Sour im Walrus trinken und mit meinem Lieblingsbarkeeper quatschen,

~ mir eine Massage gönnen,

~ und eine Pediküre,

~ mit meinen Mädels auf dem Balkon sitzen und Weißwein trinken,

~ mit Neffe #3 einen Tantentag machen inklusive Fährefahren und Eisessen,

~ Freitagabend mit einer der Besten im Krug essen gehen,

~ mit meinen Jungs Fußball gucken,

~ Freunde zu einem Drei-Gänge-Menü in meine Küche einladen,

~ an die Nordsee fahren – und atmen,

~ die Beauty-Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe besuchen,

~ nach Berlin fahren und mit zwei tollen Autorinnen Kaffee/Wein trinken und sie überzeugen, ein Buch zu schreiben,

~ Samstagvormittag (nach dem Schwimmen) vor meinem liebsten portugiesischen Café sitzen, Avocadotoast essen, Kaffee trinken, Zeitung lesen, Leute gucken,

~ einen Flug nach Griechenland buchen – und nach New York,

~ küssen.

Und ihr so?

Julia und das Meer

Ich stehe an Deck und schaue mit einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität aufs Meer. Dimitris bringt mit seinem kleinen Ausflugsboot normalerweise Touristen an die einsamen, nur vom Wasser aus zugänglichen Strände. Heute hat er eine etwas andere Gruppe als sonst an Bord: 14 Frauen und Männer, die gleich ins Wasser springen werden, um 2 Kilometer rund um eine Insel zu kraulen. Swimtrekking nennt sich das und ist eigentlich gar nicht so verrückt, wie es sich im ersten Moment vielleicht anhört. Andere wandern in ihrem Urlaub, wir schwimmen.

Simon, einer unserer zwei Guides, signalisiert, dass es Zeit für die Oranges ist. Wir sind in drei Gruppen eingeteilt, je nach Schwimmtempo, ich bin in der langsamen mit den orangen Badekappen. Wir starten als erstes mit etwas Vorsprung vor den gelben und pinken Kappen, so dass wir am Ende ungefähr zeitgleich ans Ziel kommen. Bevor es losgeht, heißt es allerdings erst noch Arme hoch: Eoin, unser zweiter Guide, hat die Ehre, uns an den empfindlichen Stellen – unter den Achseln und den Badeanzugträgern – mit Vaseline einzureiben, zum Schutz, damit wir uns im Salzwasser nicht wund reiben.

Ein letztes Mal prüfe ich, ob meine Schwimmbrille wirklich fest sitzt – nichts ist nerviger als Salzwasser, das beim Schwimmen in die Augen rinnt –, dann springe ich. Als wir vier vollzählig im Wasser sind, stimmen wir uns noch einmal über die Richtung ab, in die wir schwimmen sollen – im Uhrzeigersinn rund um Mourteméno. Mourteméno ist eine von vier kleinen, unbewohnten Inseln, die direkt vor dem griechischen Festland im Ionischen Meer liegen, dicht bewaldet mit Olivenbäumen und Pinien und mit nur ein paar vereinzelten Kiesstränden. Ich mache wie immer erst ein paar Brustzüge, dann verfalle ich ins Kraulen. Alle Nervosität ist verflogen. Ich atme nach rechts, zwei Armzüge, atme nach links – und grinse von Ohr zu Ohr: Das Meer ist spiegelglatt, das Wasser hat angenehme 21 Grad, und unter mir erstreckt sich eine wunderschöne Landschaft. Mourteménos zerklüfteter Felskranz nimmt unter Wasser die wildesten Formen an. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken, dass Simon, der uns in einem kleinen Boot begleitet, immer wieder ermahnend ruft: „Don’t race, explore!“ Das muss man mir nicht zweimal sagen.

Wir schwimmen in Höhlen hinein und durch Gesteinsbögen hindurch. Ich nehme jede Nische mit, entdecke karminrote Seesterne, die an Steinbrocken kleben, umschiffe vorsichtig alle Seeigel, sehe Fische in den unterschiedlichsten Farben und Formen – von blaugrünen Winzlingen, die nicht mal die Größe meines kleinen Fingers haben, dafür nur im Schwarm auftreten und stets ganz hektisch werden, wenn ich mich nähere, über zitronengelbschwarzweiß gemusterte Schönheiten, die elegant allein zwischen den Felsen posieren, bis hin zu handgroßen Dunkelgrauen, die sich im Seegras verstecken. Als würde man in einem Aquarium schwimmen.

Nach circa einer Stunde haben wir die Insel umrundet und klettern beseelt an Deck. Nachmittags umschwimmen wir zur Hälfte die Nachbarinsel Ágios Nikólaos und landen nach 1,7 Kilometern an einem traumhaften, kleinen Kiesstrand, wo uns Eion mit Kaffee und Keksen begrüßt. Das Wasser schimmert hier im schönsten Türkis – in der Karibik kann es kaum besser sein.

Abends sitzt die gesamte Gruppe in einer Taverne am Hafen zusammen. Wir sind wie immer ein bunt gemischter Haufen, zwischen 26 und 62, vier Deutsche, zwei Amerikaner, sieben Briten – von denen eine in Shanghai lebt, ein anderer in Spanien –, einer von uns ist gar aus Simbabwe angereist. Wir bestellen griechischen Salat, Mezze und frischen Fisch, auf dem Tisch sammeln sich Bier-, Wein- und Ouzo-Gläser. Schwimmen macht hungrig und durstig. Simon erzählt uns, wie er zu seinem Job kam. Er war schon immer ein begeisterter Wassersportler, doch erst vor Kurzem, mit Mitte fünfzig, hat er seinen Bürojob an den Nagel gehängt und den Schreibtisch gegen das Meer eingetauscht. Mehrer Wochen im Jahr ist er nun an den verschiedensten Locations für Swimtrek tätig, und so, wie er uns jeden Tag mit einem Strahlen im Gesicht begrüßt, ahnt man: Der Jobwechsel war die beste Entscheidung.

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Am nächsten Tag fühlen sich meine Arme zunächst schwer an, der Nacken ist verspannt, aber dann gibt es wieder so viel zu entdecken, dass jedes Ziepen bald vergessen ist.

An Tag drei gesellt sich zum Muskelkater der Sonnenbrand – bei mehr als einer Stunde im Wasser habe ich selbst mit Lichtschutzfaktor 50 keine Chance, dafür am Ende des Urlaubs so braune Oberschenkel – hinten! – wie sonst nie. Um meinen geröteten Rücken zu schützen, trage ich ein langärmliges Schwimmshirt. Heute steht nur ein langer Swim an, 4 Kilometer rund um Mourtos – ein weiterer dunkelgrüner Klecks mit hellgrauem Rand im ionischen Blau. Mir ist ein wenig mulmig, die 2,5 Kilometer gestern Vormittag waren nicht ohne. Und auch in Hamburg, im Becken, schwimme ich maximal 2,5 Kilometer. Dabei weiß ich: Die Distanz ist nicht das eigentliche Problem, es ist meine ewige Sorge, mit den anderen nicht mithalten zu können.

Ich rufe mir einen Satz von Tasmin ins Gedächtnis, mein Guide im letzten Urlaub. Sie stammt von den Kanalinseln, hat mehrere Channel Swims begleitet und sagte mir: „Open Water Swimming is 10 % physicality and 90 % mentality.“ Also einatmen, ausatmen und Sprung ins nächste Abenteuer.

Wir sind inzwischen nur noch drei Oranges, Rihannon, die im Swimtrek-Büro arbeitet, musste schon zurück. Mit mir schwimmen nun noch Sheryl und Richard. Die Wasseroberfläche ist wieder glatt wie in der Badewanne, wir drei haben fast das gleiche Tempo, ich finde schnell in meinen Rhythmus, die Arme fühlen sich erstaunlicherweise leichter an als gestern, ich kraule Zug um Zug, höre nichts als meinen gurgelnden Atem, und nach circa einem halben Kilometer weiß ich: Das wird heute gut.

Simon behält uns immer im Blick, wahrt aber mit seinem Boot so viel Abstand, dass wir uns auf gute Weise allein fühlen. Nur ab und zu schwimmen wir zu ihm ran, dann bekommen wir ein Update, wieviel Strecke wir schon geschafft haben, und etwas zu trinken. Zur Feier des langen Swims reichen die Guides heute auch Weingummi-Colaflaschen – sie neutralisieren zumindest für kurze Zeit den Salzgeschmack im Mund.

Irgendwann verlieren wir fast noch eine orange Badekappe: Richard steuert unvermittelt die Nachbarinsel an, wird aber von Simon wieder eingefangen. Ich muss schmunzeln, am ersten Abend hat sich Richard mit den Worten vorgestellt: „My orientation is disastrous.“ Oh ja. Ich warte nur darauf, dass er mit einem Felsen kollidiert, doch stets bremst er in letzter Sekunde ab, guckt kurz überrascht nach dem Motto „Was machst du denn hier?“ und schwimmt weiter. Im Gegensatz zu ihm atme ich zum Glück zu beiden Seiten, was im Meer ein echter Vorteil ist.

Nach fast zwei Stunden erreichen wir einen Strand, der heute unser Ziel sein sollte, doch dort ankern gerade zwei Partyschiffe, im Wasser lauter Menschen mit Poolnudeln, und wir beschließen einstimmig: Wir schwimmen weiter. Über soviel Schwimm-Leidenschaft freut sich Simon natürlich und gibt den neuen Zielort per Funk an Dimitris durch. Als ich dort nach 4 Kilometern schließlich an Deck krabble, reicht mir jemand aus der Gruppe als erstes ein kaltes Bier. Ich bin geschafft – und so glücklich wie lange nicht.

In den letzten beiden Jahren hat mich das Leben ganz schön geschüttelt. In diesem Augenblick habe ich das erste Mal wieder das Gefühl, ganz bei mir zu sein, mir fehlt nichts und niemand. Schwimmen ist eben wie jede sportliche Aktivität immer auch therapeutisch – ebenso, wie in freier Natur zu sein. Mein größtes Glück ist es daher, wenn alles stimmt und ich in den Flow komme: Wenn das Wasser glatt ist, nichts weh tut, ich meinen Rhythmus finde und mit der Gruppe gut mithalten kann. So wie heute. Dann geraten auch meine Gedanken, die sich zuhause noch im Kreis drehten, in Fluss. Was vor zwei Wochen noch groß erschien, wird auf einmal ganz klein. Bis ich über nichts mehr nachdenke. Außer: Ach, guck, da ein oranger Seestern.

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Auch am vierten Tag erwartet uns wieder ruhige See. Wir machen vormittags zwei Crossings, das heißt, wir schwimmen vom Festland zur Insel, die in diesem Fall eher ein großer, karger Felsbrocken ist. Das Tolle an Crossings: Irgendwann geht es unter dir so tief runter, dass du keinen Boden mehr siehst, nur endloses Blau, in das die Sonne diffuse Strahlen wirft. Vom Felsbrocken weiter zur nächsten Insel, die wir wiederum umrunden. Klein Mourteméno ist wie ein großer Spielplatz für Schwimmer. Immer mal wieder klettere ich unterwegs auf einen Stein, um die Aussicht zu genießen und zu schauen, ob ich die pinken oder gelben Badekappen, die uns auf den Fersen sind, erspähen kann. Nachmittags umrunden wir die zweite Hälfte von Ágios Nikólaos – damit haben wir alle vier Inseln geschafft.

Um ehrlich zu sein: Wir haben auf diesem Swimtrek geradezu perfekte Bedingungen. Das ist nicht immer so, gutes Wetter und Windstille kann man nicht buchen. Ich bin auch schon derart hart gegen Wellen und Strömung an geschwommen, dass ich das Gefühl hatte, nicht von der Stelle zu kommen, dass ich statt Luft zu holen eine ordentliche Ladung Salzwasser schluckte und dachte: Warum mache ich den Scheiß hier eigentlich? Wieso liege ich nicht einfach nur faul am Strand? Doch dann saß ich kurze Zeit später mit einem Becher heißen Tees an Deck, schaute aufs wogende Meer und war ein kleines bisschen stolz, dass ich auch diese Herausforderung gemeistert hatte. Und mit jedem Swimtrek wächst mein Selbstvertrauen. Inzwischen traue ich mich auch, alleine im offenen Meer zu schwimmen – vor ein paar Jahren noch undenkbar.

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Am letzten Tag komme ich schließlich doch trotz perfekter Bedingungen an meine Grenzen: Wir schwimmen wieder 4 Kilometer am Stück, diesmal entlang des Festlands, und ich spüre deutlich, dass mir schon vier Tage Schwimmen in den Knochen und Muskeln stecken. Meine Arme fühlen sich bleischwer an, die Schulter ziept, jeder Armzug scheint ein Kraftakt. Während Sheryl und Richard vor mir, wie mir scheint, mit jedem Tag schneller werden, schwimme ich immer langsamer. Jetzt hilft nur, sich nicht auf die Zipperlein zu fokussieren, sondern zu versuchen, trotzdem jede Minute im Wasser zu genießen. Ich konzentriere mich auf meine Technik und rufe mir die Tipps ins Gedächtnis, die mir Simon gegeben hat: Ellenbogen hoch – aua – und immer schön mit dem Oberkörper rotieren. Und während ich in meinen Rhythmus zurückfinde, wiederhole ich im Kopf mantraartig einen Satz, den mir ein Schwimmbuddy auf meinem ersten Swimtrek mitgab. Er würde sich immer bei seinem Körper bedanken. Klingt vielleicht etwas eso, aber es stimmt: Ich bin meinem Körper, der mich mehr oder weniger geschmeidig durchs Wasser trägt, dankbar. Ich hatte schon mehrere Bandscheibenvorfälle, an der Hals- und an der Lendenwirbelsäule, über Monate chronische Schmerzen, und jetzt schwimme ich mehrere Kilometer durchs offene Meer. Daher: „Thank you, body. Thank you, body. Thank you, body.“

So hangele ich mich die Küste entlang, als mir auf einmal Richard entgegen kommt. Das kann doch nicht sein, denke ich, dass er derart die Orientierung verloren hat, und frage lachend: „What are you doing?“ Mit schönstem britischen Understatement antwortet er: „Oh, just taking a little swim. How about you?“ Dabei hat ihn natürlich Simon aufgefordert, eine Extra-Runde zu drehen – so sorgen die Guides dafür, dass wir als Gruppe nicht zu weit auseinander driften.

Dann kurz vor Schluss ein letztes Highlight: zwei Höhlen. In der ersten ist das Wasser auf einmal so eisig, dass man darin Weißwein kühlen könnte. Die zweite fasst gerade mal drei Schwimmer, hat aber auf ihrem Grund runde, große, weiße Steine, so dass es überhaupt nicht dunkel darin ist. Wir schießen noch ein paar Erinnerungsfotos, bevor wir uns vom Ionischen Meer verabschieden.

In fünf Tagen sind wir gut 20 Kilometer geschwommen. Nachmittags falle ich im Hotel in ein zweistündiges Koma. Spätabends, nach einem fröhlich-wehmütigen, letzten Dinner mit der Gruppe, die mir in kurzer Zeit ans Herz gewachsen ist, sitze ich mit einem Glas Weißwein und einer Zigarette auf dem Balkon. Ich schaue auf die Segelbootmasten und Lichter von Sivotas Hafen, mein Herz ist leicht, ich bin so froh und dankbar und überlege, wo es als nächstes hingehen könnte. Denn egal ob Griechenland, Kroatien oder Italien – auch nächstes Jahr werde ich wieder schwimmen, soviel steht fest. Die See ist immer noch ruhig. Alles ist möglich.

(Ionian Explorer, Juni 2019)

Info

SwimTrek gibt es seit 2003. Damals begann alles mit einem Trip auf den Kleinen Kykladen. Zehn Jahre später war genau das auch mein erster Swimtrek. Inzwischen gibt es Ziele auf der ganzen Welt, in Europa u.a. in Italien, Kroatien, Montenego, darüber hinaus in der Karibik, auf den Galapagos Inseln, Seychellen und Malediven.

Drei Buchtipps von drei tollen Kolleginnen

Selbst wenn ihr gerade nicht die Muße zum Lesen findet – mir geht es so –, es kommen ja hoffentlich wieder ruhigere Zeiten. Daher: Wenn euch eine dieser Empfehlungen anspricht oder irgendein anderes Buch schon lange auf eurer Wunschliste steht, bitte bestellt es jetzt. Oder schickt es jemandem, den ihr vermisst, weil ihr sie oder ihn gerade nicht sehen könnt. Der lokale Buchhandel braucht euch, und wir (die Verlage) brauchen euch auch.

Sabina empfiehlt The Overstory von Richard Powers

Die Bücher, die ich liebe, sind die, die bleiben. Sie prägen sich so tief ein, es fühlt sich an, als hätte ich sie immer dabei. The Overstory (dt. Die Wurzeln des Lebens) von Richard Powers ist so ein Buch. Es ist gefüllt mit Sätzen, deren Anmut und Tiefe immer wieder überraschen. Powers‘ Worte sind tröstend; man möchte sie unterstreichen und immer wieder lesen. Und dass ich ihn einen Freund nennen darf, macht sie sicherlich umso bewegender.
The Overstory birgt Hoffnung und Schmerz und so viel Empathie für das, was wir Leben nennen. Und erweckt in jedem die Liebe für die Natur. Danach wirst du Bäume nie wieder im gleichen Licht sehen. Der Roman öffnet dir die Augen für den erstaunlich großen Unterschied zwischen all der Schönheit, die uns umgibt und der Bedeutungslosigkeit all der Dinge, mit denen wir uns täglich beschäftigen. Aber: “the best arguments in the world won’t change a person’s mind. The only thing that can do that is a good story.” Go see for yourself.

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Marle empfiehlt My Sister, the Serial Killer von Oyinkan Braithwaite

My Sister, the Serial Killer von Oyinkan Braithwaite habe ich mir im Februar bei einem langen Wochenende in London gekauft, bevor das alles losging. Erwartet habe ich einen Krimi, bekommen habe ich eine meisterhaft erzählte Geschichten über zwei ungleiche Schwestern, die zueinander halten, egal, wie ihr Verhältnis zueinander ist. Denn das ist keineswegs konfliktfrei, wie der Titel schon vermuten lässt. Die Beziehung ist geprägt von Eifersucht, ungleiche Behandlung durch die Mutter und andere, unterschiedliche Lebenswege und Abhängigkeit voneinander. Aber auch von Liebe zueinander und am Ende ist Blut dann doch dicker als Wasser. Die Handlung ist sehr komprimiert, kurze Kapitel beleuchten die Vergangenheit der Familie, und die Autorin hat in mir große Sympathie geweckt, sowohl für die Erzählerin als auch für ihre serienmordende Schwester.

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Heidi empfiehlt Superbusen von Paula Irmschler

Paula Irmschlers Superbusen empfahl mir Margarete Stokowski in ihrem diesjährigen ersten und einzigen taz Buchmesse Blog Eintrag zur abgesagten Leipziger Buchmesse Anfang März. Dieses Buch ist von außen wie von innen schön. Ich habe Superbusen an einem Tag verschlungen, wie mir das zuletzt nur mit Netflix-Serien gelang. Ich wollte dabei sein, in Giselas Leben, verfluchte mich, dass ich niemals Teil einer Band war und schätzte mich glücklich über die wichtigen Lieblingsmenschen in meinem Leben, denen ich zwischendurch Zitate aus dem Buch per WhatsApp schickte, z.B. „Wir waren nicht anti-intellektuell, wir hatten nur immer anderes zu tun“. Lest dieses Buch, es handelt von Freundschaft, es ist ein politisches Buch, antifaschistisch, stark, liebevoll, macht gute Laune, ist feministisch, und es geht um Musik und auch um Ost – West. Nach diesem gleichermaßen schlauen wie witzigen Buch hätte ich keine Enttäuschung ertragen können, daher lese ich jetzt zum bestimmt zehnten Mal Die rote Zora und ihre Bande von Kurt Held. Mein Klassiker. Auch ein Buch über Freundschaft und ein unerschrockenes tolles Mädchen.

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Danke, ihr Lieben!