Ich träume von … Sifnos


Bis vor ein paar Jahren hatte ich noch nie von Sifnos gehört. Aber seitdem ich mir in den Kopf gesetzt habe, bis spätestens zur Rente (lieber noch bis zu meinem Fünfzigsten), meine Insel gefunden zu habe, versuche ich, jedes Jahr mindestens eine neue zu erkunden. Letztes Jahr waren es sogar drei, und Sifnos wählte ich eigentlich nur deshalb, weil sie praktisch auf halber Strecke zu den Kleinen Kykladen liegt. Dieses Jahr habe ich allerdings schon von mehreren Leuten gehört, dass sie vorhaben, dorthin zu fahren, und ich weiß gar nicht, ob mir das so lieb sein soll. Denn bisher ist die 77 Quadratkilometer große Insel der Westkykladen eine meiner Favoritinnen und relativ unentdeckt. Ich weiß noch, wie ich letzten Juni in Platí Gialós an den Strand kam und komplett freie Liegestuhl-Auswahl hatte, weil einfach niemand da war.

Sifnos ist etwa 2,5 Stunden mit der Fähre von Athen entfernt und relativ grün für die ansonsten meist kargen Kykladen. Hauptort ist Apollonía, das nicht an der Küste, sondern auf einem Hochplateau im Inselinnern liegt. Auch wenn man von dort ein bisschen zum Strand braucht, übernachte ich inzwischen am liebsten in der Chora (wie die Hauptorte in der Regel heißen), weil es häufig die hübscheren Orte sind, mit alter Baussubstanz, malerischen Gassen und Plätzen.

Wandern

Auf Sifnos soll man auch sehr gut wandern können, überall sind Pfade ausgewiesen. Ich sage soll, weil ich selbst nur zwei Mini-Wanderungen (Abendspaziergang wäre wohl das passendere Wort) gemacht habe. Für längere Strecken war es Ende Juni schon zu heiß. Am ersten Abend bin ich von Apollonía nach Kastro, der alten Inselhauptstadt gelaufen (Dauer circa 1 bis 1,5 Stunden). Die ehemalige Wehrsiedlung liegt an einer Klippe, und von oben hat man einen tollen Blick auf die kleine Kirche der Sieben Märtyrer (Epta Martires) und auf Paros. Zum Teil handelt es sich bei dem Weg tatsächlich nur um einen Trampelpfad. Gutes Schuhwerk und eine Flasche Wasser dabei zu haben, empfiehlt sich. Ansonsten muss man vor Erschöpfung womöglich so wie ich zurück trampen.
Den anderen Abendspaziergang habe ich nach Káto Pétali gemacht, etwa zwanzig Minuten Fußweg durch die Felder von Apollonía. Káto Pétali ist eine hübsche kleine Siedlung im kykladischen Baustil ohne Autoverkehr, in der vor allem Seeleute und Landwirte im Ruhestand leben. Am Ortseingang gibt es ein sehr nettes Restaurant.

Strände

Platí Gialós ist ein circa 1 Kilometer langer Sandstrand mit mehreren Tavernen und Beachclubs, vor denen man sich Sonnenliegen mieten kann. Auf dem Weg von oder nach Apollonía unbedingt Halt machen und runter zur Panagía Chrissopigí laufen. Die Marienkirche liegt auf einer ins Meer vorspringenden Felszunge, und auf einer direkt unter der Kirche liegenden Felsplatte lässt sich hervorragend sonnenbaden und schwimmen gehen. Auf dem Weg zurück zur Straße kann man für einen Drink an der Bar vom Hotel Paradise Place einkehren und, wenn man nett, fragt auch kurz in den Pool springen.

Besonders schön fand ich den Strand in der Bucht von Vathí, an deren einem Ende das strahlend weiße Taxiárchis-Kloster (auf dem Header-Bild) liegt und am anderen eine 1A-Strandbar. Dazwischen mehrere Tavernen. Auch hier war im Juni so gut wie nichts los.

Essen

Von vier Abenden war ich an dreien bei Drakakis essen, weil die Mezze dort so fantastisch und die Kellner so charmant waren („Oh, you are Greek?“). In den Gassen von Apollonía gibt es mehrere Cafés, Bars, Restaurants und kleine Läden. Hier lässt es sich abends gut bummeln, und Drakakis ist dabei nicht zu verfehlen – das Kafenion mit der grünen Tür und den grünen Tischen ist immer voll.

Übernachten

Ich habe im Hotel Anthousa in Apollonía übernachtet. Sehr netter Familienbetrieb mit einfachen Zimmern und angeschlossenem Café und Patisserie – der Großvater schenkte mir täglich Kekse.

Es gibt noch viel, viel mehr zu entdecken auf Sifnos (die Insel hat nur um die 2.500 Einwohner, aber 360 Kirchen und Kirchlein). Und wer dabei nicht wie ich auf den Bus angewiesen ist, hat es sicherlich etwas leichter. Ich war leider nur vier Tage da, aber werde bald wiederkommen. Vielleicht schon diesen Herbst und mit ordentlichen Schuhen im Gepäck. Dann kann ich auch wandern.

Kohlrabisalat für Meike

Mich erreichten in den letzten Wochen mehrere Bitten nach Rezeptinspiration. Also melde ich mich nach einer kurzen Phase der Frühjahrsmüdigkeit mit diesem frischen Salat zurück, der bisher immer gut bei Gästen ankam:

Zutaten für 4 Personen:

3 mittelgroße Kohlrabi (750 g)
80 g griechischer Joghurt
120 g saure Sahne (Ottolenghi verwendet 70 und 50 Sahne)
1 kleine Knoblauchzehe
1 ½ TL Zitronensaft
1 EL Olivenöl
2 EL frische Minze, fein geschnitten (Ich liebe mein Wiegemesser!)
20 g Brunnenkresse
¼ TL gemahlener Sumach
Salz und Pfeffer

Kohlrabi schälen, in 1,5 cm große Würfel schneiden und in eine Schüssel füllen.


Den Joghurt in einer kleinen Schüssel mit Sahne, Knoblauch, Zitronensaft, Olivenöl, ¼ Teelöffel Salz und einer kräftigen Prise Pfeffer verrühren und das Dressing über den Kohlrabi gießen. Die Minze und die Hälfte der Kresse hinzufügen. Vorsichtig durchmischen und mit der restlichen Kresse und dem Sumach bestreut servieren.


Zusammen mit Tabbouleh und verschiedenen Sorten Hummus ergibt das ein herrliches Abendbrot à la Ottolenghi. Allen Hamburgerinnen empfehle ich Nezumi im Karoviertel für frisches, variantenreiches Hummus.

Omikron, griechischer Wein und ich

Ich gehöre zu den Menschen, die während der Pandemie eine Fremdsprache gelernt haben. Griechisch. Und damit meine ich nicht die Kürzel der Virusvarianten, sondern das neugriechische Alphabet in all seiner Komplexität. Dort gibt es nicht nur zwei Os – Omega und Omikron –, sondern auch fünf Buchstaben, die wie I ausgesprochen werden, von denen optisch aber nur einer einem I ähnelt. Ein anderer sieht aus wie eine Mischung aus v und u, heißt allerdings Ypsilon, ein weiterer wie ein n, nur dass der zweite Strich wie beim deutschen p noch unter der Zeile weiter läuft. Es ist also kompliziert.

Als ich letzten Sommer auf den Kykladen war, ging noch nicht viel, aber zumindest recht flüssig: „Wie bitte?“, „Wo ist die Toilette?“ und „Ein Weißwein, bitte.“ Erst zuhause fiel mir der Wortdreher auf. Ich schloss die Augen und sah es vor mir: Wie ich jeden Abend in der Taverne den Kellner angestrahlt und „ein Weinweiß“ bestellt hatte. Ich wollte im Boden versinken. Vergessen in dem Moment, dass ich dem Postbeamten, der kein Englisch sprach, erzählt hatte, dass ich aus Hamburg komme und ihn von Michalis grüßen soll. Vergessen, dass ich mich im Kloster über fünf Stockwerke erfolgreich zum Klo durchgefragt hatte. „Ein Weinweiß.“ Ächz.

Diese Woche widmeten wir uns im Unterricht der Wiederholung. Zur Vorbereitung hatte ich ein bisschen durchs Buch geblättert und fühlte mich einigermaßen gewappnet. Nur um dann an den einfachsten Fragen zu scheitern – manchmal, weil ich gar nicht erst verstand, was unser Lehrer von mir wissen wollte. Meistens aber, weil mir die entscheidende Vokabel nicht einfiel. Als Aris mich fragte, wie das Gegenteil von „schön“ heiße, wand ich mich und sagte schließlich: „Δεν ξέρω. Όλα είναι ωραία στην Ελλάδα.“ (Weiß ich nicht. Alles ist schön in Griechenland.) Woraufhin er herzlich lachte. Als die Stunde endlich rum war, klappte ich mein Laptop zu, goss mir ein großes Glas Ouzo ein und ging kurz darauf frustriert ins Bett.

Am nächsten Morgen setzte ich mich auf meinen Hosenboden und beantwortete Aris‘ Fragen noch einmal schriftlich. Und zwar ohne Hilfe von Pons. Erst am Ende schlug ich nach und korrigierte. Das Ergebnis: ziemlich Rot. Ich seufzte und überlegte, ob es zu früh war für Ouzo. Dann machte ich ein Foto für Instagram. Als ich das Bild anschaute, sah ich es: Ich hatte eine ganze Seite auf Griechisch geschrieben. Okay, ich hatte manchmal den falschen Artikel gewählt, oft das falsche O, sehr oft das falsche I und offensichtlich eine extreme Akzentschwäche. Aber: Ich hatte eine ganze Seite auf Griechisch geschrieben.

Ich dachte zurück an die Tage in Athen im Herbst und wie viel mehr ich da schon sagen konnte als noch im Sommer. Wann werde ich endlich lernen, mit mir selbst nachsichtiger zu sein? Ich muss doch gar nicht wissen, was „hässlich“ auf Griechisch heißt, solange ich Sätze formulieren kann, die anderen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sei es Aris, ein Postbeamter oder ein Mönch. In Athen strahlte ich den Kellner an und bestellte für Freundinnen und mich Weißwein – ganz ohne Dreher. Allerdings nur ein Glas für drei statt eine Flasche.

Mein St. Pauli ~ ein paar Ausgehtipps

Ich vermute mal, ich bin derzeit nicht die einzige mit Hang zur Couch Potato. Perfekter Zeitpunkt, um mir und euch ins Gedächtnis zu rufen, dass es da draußen ein paar wunderbare Läden gibt, die es sich jederzeit zu besuchen lohnt – und die gerade jetzt unsere Unterstützung benötigen.

Hummel & Quiddje

Die perfekte Nachbarschaftskneipe. Unaufgeregt, ehrlich, gemütlich. Seit den Zwanzigern gibt es hier eine Gastwirtschaft, drinnen sieht es fast noch so aus wie in den Fünfzigern. Aber auch davor auf der Straße – bitte leise rauchen! – und hinten im Garten sitzt es sich herrlich. Ob zum Bier als Start in den Abend, Wein nach dem Kino (Studio!), einen Absacker oder drei.

Bernstorffstraße 66, Montag bis Samstag ab 18 Uhr

Krug

Lieblingsrestaurant. Wechselnde Gerichte je nach Saison. Eins von dreien immer vegetarisch. Alles immer lecker. Und Ole und das gesamte Team immer zauberhaft. Ach ja, und die Weinkarte: vorzüglich. Also, Tisch für Freitagabend ist reserviert. Und das empfiehlt sich auch, wenn man zwei der nur vierzig Innenplätze ergattern will. Aber wenn das nicht klappt, auch nicht schlimm. Dann geht es um die Ecke ins Fritzis …

Paul-Roosen-Straße 35, Montag bis Sonntag 18 bis 23 Uhr

Fritzis

Quasi die kleine Schwester vom Krug. Ebenfalls wechselnde Gerichte auf der Abendkarte (mittwochs bis samstags) und toller Wein. Außerdem super Mittagstisch (auch zum Mitnehmen) und Frühstück am Wochenende.

Kleine Freiheit No. 1

Weinladen St. Pauli

Weinhändler meines Vertrauens. Außerdem nette, kleine Weinbar. Gerade wird renoviert. Ab Februar dann im neuen Glanz.

Paul-Roosen-Straße 29

The Walrus

Wer mich kennt, weiß: Hier habe ich schon sehr viel Zeit am Tresen verbracht. Und wie es sich für einen anständigen Tresen gehört, vermischen sich an diesem Ort die schönen mit den weniger schönen Erinnerungen. Hier habe ich mich mal sehr verliebt, und später verdammt entliebt, hier habe ich stundenlang gequatscht und auch minutenlang geschwiegen, und hier hat mir der beste Barkeeper der Stadt einen Schnaps auf meinen Papa nach dessen Tod eingegossen. Lieblingsdrink: Whiskey Sour.

Wohlwillstraße 47, 18 bis 23 Uhr

Wer mich kennt, weiß auch, dass ich eher der Typ Herrengedeck als Kaffee und Kuchen bin. Aber wenn mir doch mal danach ist, dann hier:

Blackline Coffee

Paul-Roosen-Straße 39

Kante

Wohlwillstraße 54

Und wer bei den Fotos wehmütig wird: Irgendwann wird‘s auch wieder Sommer. Versprochen! Und wenn‘s soweit ist, hat das Fritzis ne tolle Markise und das Hummel & Quiddje nen extra großen Schirm gegen Regen …

Queen of Koukaki

Im August ging es mir nicht gut. Mehrere Wochenenden, in denen das Wetter nicht mitspielte, sich keine Verabredung ergab und ich drohte, im eigenen Sumpf zu versinken. Warum bin ich allein? Warum fällt nur mir es so schwer? Hab ich meine „guten Jahre“ vergeudet? Määähhh …

Zwischen Tränen habe ich mich zusammengerafft und überlegt, was mir gut tun würde. Und die Antwort war leicht: Griechenland. Doof nur, dass ich keine Urlaubstage mehr übrig hatte, denn im November sollte es ja nochmal eine Woche auf den Nordatlantik und nach Island gehen. Määähhh – da wäre es ja kalt und dunkel (talking about Jammern auf SEHR hohem Niveau).

Dennoch … Irgendwas musste passieren, um mich aus meinem Jammertal zu holen. Und dann machte es klick: mobiles Arbeiten. Wenn uns die letzten anderthalb Jahre etwas Gutes beschert haben, dann doch, dass sich in gewissen Jobs von überall arbeiten lässt. Wäre es nicht vorstellbar, dass ich mein Laptop in der zweiten Oktoberhälfte einfach in Griechenland aufklappe?

Also Kalender gecheckt: Was liegt an? Oh, Buchmesse. Damn … Wobei? Vom Verlag gab’s die Ansage, dass nur wenige von uns nach Frankfurt fahren sollten. Alle meine Termine würden online stattfinden. Und wenn ich im Meeting der Rights Dame eines großen amerikanischen Verlags ins Schlafzimmer gucke, würde sie es wohl kaum stören, dass ich in einem Airbnb in Athen und nicht in meinem Büro in Hamburg sitze.

Meine unnachahmliche Patentante sagte am Telefon, als ich ihr von dem Plan erzählte: Aber nicht nur Spaß haben! Das pikste kurz, weil es mich genau da packte, wo ich mich selbst fragte: Was, wenn meine Chefinnen denken, dass ich mir einen faulen Lenz mache? Aber dann klopfte ich mir auf die Brust und sagte ihr (und mir): Weißt du was, meine Chefinnen wissen, dass sie sich hundertprozentig auf mich verlassen können. Und genau deshalb geht das. Weil ich meinen Job liebe. Ich muss in den nächsten zwei Wochen ein Manuskript redigieren, auf das ich mich sehr freue. Ich hoffe, dass die Buchmesse mir noch einigen guten Lesestoff in den Posteingang spült. Ich muss mir für die Bücher im nächsten Programm Titel überlegen. All das mach ich sehr gerne – und womöglich sogar mit mehr Verve im sonnigen Athen als im grauen Hamburg. (Chefinnen, lest ihr mit?)

Es gibt manchmal nicht viel, auf das ich stolz bin (okay, ich schwimme im Urlaub von Insel zu Insel, aber wie oft will ich die Geschichte noch erzählen?), aber worüber ich wirklich froh bin, ist meine Fähigkeit, mich am eigenen Schopf aus der Grütze zu ziehen. Mich darauf zu besinnen, was alles gut ist in meinem Leben, was ich habe, und das Beste daraus zu machen.

Diese Zeilen schreibe ich also von der Dachterrasse im 5. Stock von Koukaki, im Herzen Athens, die ich für zwei Wochen gegen meinen Balkon auf St. Pauli getauscht habe. Mit einem Dauergrinsen im Gesicht …

Ich träume von … Schinoússa

Dies ist der Ort, an dem ich mich in Griechenland verliebt habe. Vor acht Jahren führte mich mein erster Swimtrek auf die kleine Insel südlich von Naxos. Hier bin ich das erste Mal unsicheren Schrittes ins Wasser gewatet, um mehrere Kilometer am Stück im Meer zu schwimmen. Seither zieht es mich jedes Jahr auf die griechischen Inseln. 113 bewohnte gibt es, elf habe ich bisher besucht. Vor allem die Kleinsten der Kleinen ziehen mich magisch an, allen voran immer wieder Schinoússa. Selbst dieses Jahr, als sie eigentlich gar nicht Teil meiner Reiseroute war, habe ich einen Tagesausflug dorthin gemacht.

Es ist schwer zu erklären, was genau ich an Schinoússa so gerne mag. Die Insel ist karg wie so viele Kykladen und wirklich winzig – keine 9 Quadratkilometer groß, zwei Dörfer, weniger als 300 Einwohner. Nur zweimal am Tag (in der Hauptsaison) legt hier die Skopilitis an, die Fähre, die die Kleinen Kykladen miteinander verbindet: einmal am Tag Amorgós ~ Donoússa ~ Koufonissi ~ Schinoússa ~ Iráklia ~ Naxos – und wieder zurück. Es ist wohl genau diese Abgeschiedenheit, die die Insel so besonders macht. Nur wenige nicht griechische Touristen verirren sich hierhin. Außer am Strand herumzuliegen, gibt es ja auch kaum etwas zu tun, keine malerische Chora, keine antike Ausgrabungsstätte zu besichtigen.

Die längste Zeit, die ich bisher auf Schinoússa verbracht habe, war eine Woche zusammen mit einer Freundin. Unser tägliches Programm war abwechslungsarm und tiefenentspannt: Ausschlafen, frühstücken, runter zum Strand laufen. Am Tsigouri Beach gibt es die – meiner Meinung nach – beste Strandbar, inklusive kostenloser Sonnenliegen. Hier dann: lesen, Frappé trinken, schwimmen, lesen, Melonensaft trinken, Nickerchen. Es gibt noch ein paar weitere Strände auf der Insel, diese allerdings ohne Infrastruktur, dafür ist man dort mit Glück ganz allein.

Gegen Abend zurück in den Ort, ein typisches Kykladendörfchen: eine Kirche, zwei Supermärkte, eine Post, eine Apotheke, ein paar Kafenions, Bars und Restaurants. Frisch machen, ein Bier zum Sonnenuntergang. Anschließend am liebsten ins Kira Poutiti – überall in Griechenland habe ich bisher sehr gut gegessen, aber dies ist immer noch mein Lieblingsrestaurant. Moderne griechische Küche, wie es sie auch in Athen gibt. Hier habe ich schon vorzügliches Seeigelrisotto ebenso wie die beste Moússaka gegessen. Und nach meinem letzten Urlaub auf Schinoússa habe ich so lange recherchiert, bis ich einen Händler in Berlin fand, wo ich den Wein, den ich hier getrunken habe, bestellen konnte. Und ja, der schmeckt auch zuhause! Zum Abschluss in die Bar und mit einem Glas Wein in den Sternenhimmel gucken, der hier einem funkelnden Gemälde gleicht.

Zum Runterkommen und komplett Abschalten gibt es wahrlich kaum einen besseren Ort.

Wer sich unsicher ist, ob die totale Abgeschiedenheit wirklich etwas für ihn oder sie ist, bucht vielleicht erst mal nur zwei, drei Nächte hier. Das Tolle ist ja, dass Schinoússa in mitten eines ganzen Inselreichs liegt und man in einem Urlaub ganz unkompliziert zwei oder drei Inseln erkunden kann. Ich weiß nicht, ob ich jemals länger als für eine Woche kommen werde, irgendwie reizt es mich schon. Ich weiß nur: Ich werde immer wieder kommen.

Übernachten: Hotel Iliovasilema Schlichte, kleine Zimmer mit Balkon, aber mehr braucht man hier auch nicht. Bonus: Eine Übernachtung kostet circa ein Viertel dessen, was man in einem vergleichbaren Hotel auf Mykonos oder Santorini zahlen würde.

Ausflug nach Eutin – und eine kleine Zeitreise

Eintritt frei, ein Flair wie vor hundert Jahren und nur ein paar wenige andere Gäste. In der Freibadeanstalt am Großen Eutiner See lässt es sich schwimmen wie in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts – mit dem Unterschied, dass L. und ich früher über unterschiedliche Stege ins Wasser gelangt wären. Ansonsten hat sich hier kaum etwas verändert: Die Freibadeanstalt von 1913 besteht aus einer hufeisenförmigen Steganlage mit jeweils 32 flankierenden Umkleidekabinen (links für Damen, rechts für Herren), für die man sich beim Bademeister einen Schlüssel holen kann. Zwischen den Stegen sind ein paar Bahnen, ich schätze circa 50 Meter lang, eingezogen.

Ein paar Wermutstropfen gibt es: Früher befanden sich an den Stegenden Fünf-Meter-Sprungtürme, die, als sie baufällig wurden, leider abgebaut wurden. Für Kinder ist die reine Steganlage sicherlich nur so mittel geeignet. Es gibt jedoch hinter dem Bad eine große Liegewiese. Und normalerweise auch einen Kiosk, der allerdings diesen Sommer coronabedingt geschlossen bleibt. Wir hatten zum Glück unser Picknick dabei. Und wir konnten zumindest ein sehr glückliches Kind beobachten, das spontan sein Bronzeabzeichen machte und dafür vom gesamten Bad bejubelt wurde.

Die denkmalgeschützte Freibadeanstalt ist voraussichtlich noch bis Ende August täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Im Herbst sollen die Steganlagen saniert werden. Ich fand’s herrlich und werde auf jeden Fall nächsten Sommer wiederkommen.

Außerdem zu empfehlen in Eutin: ein Besuch des Schlosses, in dessen schönem Innenhof man sich fast in Italien wähnt. Und SUPs leihen. Das geht am Seepark ganz unkompliziert über Kolula. Vorab Termin buchen, Board aus der Station holen, lospaddeln (und mit etwas Glück unterwegs sogar noch einer Opernprobe auf der Freilichtbühne im Schlosspark lauschen).

Endlich Sommer!

Okay, ihr Lieben, ich hatte ehrlicherweise gehofft, dass es nie soweit kommen würde … Aber als Schwimmerin auf dem Trockenen und Modeliebhaberin, die etwas zu viel Zeit für Online-Shopping hatte und den Sommer herbeisehnte, ist dies der Content, den ich gerade liefern kann, und ihr müsst da jetzt mit mir durch – mein erster Fashion-Post.

In der Stadt

Endlich wieder mit Drink in der Hand vor einer Bar sitzen. Dieses Outfit hat nur darauf gewartet!

Ich bin großer Jumpsuit-Fan, und bei diesem war es Liebe auf den ersten Blick. Bis meine Brüder den ersten Handwerkerspruch brachten, dauerte es auch erstaunlich lang …

Bin jetzt schon gespannt, wie oft ich die Sandalen mit Absatz tatsächlich tragen werde, aber mir ist gerade sehr danach, über mich hinauszuwachsen!

Zur überraschenden Impfung habe ich mir Disco-Créolen geschenkt. Zum Geburtstag gab’s bereits diese Kette mit passendem Armband – nachhaltig produzierter Schmuck aus recyceltem Gold.

Die Halfmoon-Bag von A.P.C. habe ich seit vielen Jahren und liebe sie wie am ersten Tag.

Am Strand

Ich wollte selbst nie einen schreiben, aber war durchaus mal passionierte Leserin von Modeblogs (bis es mich ermüdet hat). Bei A Cup of Jo (kein Modeblog und daher auch einer der wenigen, die ich noch lese) schnappte ich mal den Tipp auf, dass man seine Urlaubsgarderobe farblich abstimmen sollte. So lassen sich möglichst viele Teile unkompliziert miteinander kombinieren. Ende Juni geht es nach Griechenland und gedanklich packe ich schon mal diese (grünen) Stücke in meinen Koffer:

Der Badeanzug kostet zugegebenermaßen ein kleines Vermögen. Aber ich besitze bereits einen Bikini der französischen Marke, der – im Gegensatz zu mir – auch nach Jahren noch nichts von seiner Form verloren hat, und eine Mitschwimmerin erzählte mir mal, dass sie ihren Eres-Badeanzug bereits seit einer Ewigkeit hätte. Ich bin daher zuversichtlich, dass ich auch noch in zehn Jahren in diesem zeitlos schönen Stück durch die Ägäis schwimmen werde.

Ohne Lesebrille geht inzwischen nix mehr. Mit dieser Sonnenbrille kann ich jetzt auch am Strand schmökern.

Dank dünnem Haar bekomme ich wahnsinnig schnell Sonnenbrand aufm Kopp, daher muss immer ein Tuch (oder ein Cap) mit – auf diesem stand quasi mein Name.

Gerade noch faul am Strand rumgelegen, schwupps, den Kaftan übergeschmissen und ab an die Bar: Ένα φραπέ ςκέτα με γάλα παρακαλώ!

Unterwegs

Ich liebe Röcke und Kleider im Sommer, aber Shorts sind einfach wahnsinnig praktisch – ob auf dem Rad, der Vespa oder dem Schiff. Und man bekommt schnell braune Beine!

Noch so eine Investition. Wie lange bin ich letztes Frühjahr online um diesen Pulli rumgeschlichen! Bis ich endlich im Sale zugeschlagen habe. Und es hat sich gelohnt – ich trage ihn ständig.

Die kleine Vintage-Handtasche habe ich kürzlich in einem Laden bei mir um die Ecke im Schaufenster entdeckt und mich sofort verliebt. Sie kommt aus Italien und schreit quasi Sommerurlaub.

Birkenstocks werde ich sicherlich auch diesen Sommer sehr viel öfter als High Heels tragen. Bester, bequemster Sommerschuh, der eigentlich zu allem passt. Punkt.

Ich gebe zu, das hat mir doch ein bisschen Spaß gemacht. Bald gibt’s aber auch wieder Schwimm-Content, versprochen!

Ein großes Dankeschön an meine geduldigen Fotograf*innen, Heidi, Susanne und Jan.

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Ich träume von … Urlaub!

So langsam kann man wieder daran denken, ins Ausland zu fahren, oder gar Urlaub planen. Griechenland setzt gerade alles daran, Tourismus zu ermöglichen – der für das krisengebeutelte Land von enormer wirtschaftlicher Bedeutung ist – und will bis Ende Juni alle Bewohner der Inseln geimpft haben. Viele kleinere Inseln sind bereits komplett durchgeimpft. Und wenn alles gut geht – Klopf auf Holz –, werde ich Ende Juni für drei Wochen dorthin entschwinden: Athen ~ Sifnos ~ Milos ~ Amorgos – so der Plan.

Letzte Woche schaute ich schon mal nach Fährverbindungen und stellte wieder einmal fest: So wunderschön dieses Land mit seinen 113 bewohnten Inseln ist – zählt man die unbewohnten mit sowie alle Inselchen und Eilande sind es 3054 –, logistisch kann es eine echte Herausforderung sein. Das macht aber natürlich auch den Reiz aus: Umso schwerer das Reiseziel zu erreichen ist, umso schöner ist es oft. Wer keine drei Wochen Zeit hat, sondern womöglich nur eine, für den habe ich dennoch einen Tipp:

Letzten September hängte ich an ein Wochenende in Thessaloniki fünf Tage Strandurlaub auf der Chalkidiki dran, eine Halbinsel südlich der zweitgrößten griechischen Stadt, die aus drei Landzungen besteht. Ich hatte ein Zimmer im Elies 33 gebucht, einem sehr schönen, kleinen, noch recht neuen Hotel auf der westlichsten Zunge, Kassandra. Ein Volltreffer. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt; es war genau das Richtige für eine kurze Auszeit.

Zu bedenken gebe ich lediglich ein paar Kleinigkeiten, die ich nicht bedacht hatte: Das Hotel liegt etwas außerhalb vom Ort Afytos, weshalb sich unbedingt ein Auto empfiehlt. Ohnehin eine gute Idee, wenn man den Rest der Chalkidiki erkunden möchte. In Ermangelung eines Führerscheins habe ich es sportlich genommen und mir ein Fahrrad geliehen. Darauf bin ich jeden Tag zum Hauptstrand im Ort geradelt, wo man die Liegen vom Partnerhotel des Elies nutzen kann.

Der Strand unterhalb des Elies ist nur über einen schmalen, abschüsssigen Pfad zu erreichen und selbst auch recht schmal. Apropos abschüssig: Da sich Afytos am Hang der nordöstlichen Küste der Kassandra befindet, liegt der Strand ab frühen Abend im Schatten. Außerdem muss man natürlich mit dem Rad auch immer wieder den Hang hoch … You live, you learn – und ich bleibe vermutlich immer ein Inselmädchen. Aber ich bin auch einfach wahnsinnig verwöhnt. All dies beiseite war es sehr, sehr schön! Und gegessen habe ich natürlich auch hervorragend.

Ach, Ελλάδα …

PS Doch eher Lust auf Inselflair? Hier geht’s nach Folégandros und hier nach Paxos.

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Bücher, die mich durch die letzten Wochen begleitet haben

Ihr Lieben, bitte entschuldigt die Ruhe, aber mir ist in den letzten Wochen jegliche Inspiration und Kreativität abhanden gekommen. Doch so langsam ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Höchste Zeit, sich am eigenen Schopfe aus dem Pandemiequark zu ziehen. Hier ein paar Buchtipps, um euch die letzten Wochen auf der Couch zu versüßen, bevor wir uns bald hoffentlich wieder ein wenig mehr ins Leben stürzen können.

Barack Obama, A Promised Land

Um diesen Schinken vor Sommer überhaupt zu schaffen, habe ich mir selbst in den Weihnachtsferien 50 Seiten pro Tag verschrieben. Das war sportlich, tat aber gut, weil ich dadurch richtig ins Buch eintauchen konnte. Obama erzählt sehr detailreich, und man muss sich schon sehr für amerikanische Politik interessieren – und Zeit haben –, um bei der Stange zu bleiben. Ich (die vor hundert Jahren Amerikanistik und Politikwissenschaft studierte) fand’s spannend, so ausführlich zu lesen, wie Politik funktioniert, dass es eben nie einfache Entscheidungen gibt und man viele Kompromisse machen muss. Und er ist sowieso toll. Nachts habe ich davon geträumt, wie ich im Repräsentantenhaus und im Senat für Stimmen für den Health Care Act werben musste. Eine willkommene Ablenkung zum Albtraum mit C.

Auf Deutsch bei Penguin erschienen.

Elizabeth Gilbert, City of Girls

Eine junge Frau zieht zu ihrer Tante nach New York City, die dort ein kleines Theater betreibt, und taucht unversehens ein ins wilde Nachtleben der Vierziger: Bars, Flirts, Glamour, Jazz. Doch dann kommt es durch eine Unbedachtheit zu einem Skandal, und sie wird zurück zu ihren Eltern in die Provinz geschickt. Jahre später kehrt sie in die Stadt ihrer Träume zurück und baut sich, gemeinsam mit einer Freundin, ein für die Zeit außergewöhnlich selbstbestimmtes Leben auf. Kurzweilig und unterhaltsam.

Auf Deutsch bei S. Fischer erschienen.

Candice Carty-Williams, Queenie

Als Queenie, Anfang zwanzig, und ihr netter, weißer Freund beschließen, eine Pause zu machen – zumindest denkt sie, es sei nur eine Pause –, gerät sie ins Straucheln. Sie muss ausziehen und sich ein WG-Zimmer suchen; ihr Freund (Ex?) reagiert nicht auf Nachrichten; um sich abzulenken, beginnt sie mit Online-Dating; und bei der Arbeit quatscht sie mehr als alles andere, so dass sie ständig kurz vor der Abmahnung steht. Das alles erzählt die Autorin mit einer guten Prise Humor, doch spätestens beim ersten Sex-Date wird klar, dass Queenies Probleme tiefer rühren und sie höchst ungesunde Entscheidungen trifft. Bis sie sich endlich Hilfe holt, dauert es allerdings – denn so etwas wie psychische Probleme gibt es für schwarze Frauen nicht, zumindest hat sie es so von ihrer jamaikanischen Großmutter gelernt. Dass es schließlich ihr granteliger Großvater ist, der sie darin bestärkt, in Therapie zu gehen, ist eine der rührendsten Szenen des Buches. Die Autorin erhielt als erste Schwarze die Auszeichnung „Book of the Year“ bei den British Book Awards 2020. Großartig!

Auf Deutsch bei Blumenbar erschienen.

Raphael Geiger, Der Anfang nach dem Ende

Dieses Buch habe ich von einem Freund geschenkt bekommen, der um meine große Griechenlandliebe weiß. Es lag eine ganze Weile im Stapel, weil ich keine Lust auf ein Sachbuch hatte. Pfff! Als Sachbuchlektorin hätte ich es besser wissen sollen! Stern-Korrespondent Raphael Geiger erzählt abwechslungsreich, reportageartig und nimmt uns mit ins Griechenland vor, während und nach der Schuldenkrise. Was dieses wunderschöne Land in den letzten Jahren durchgemacht hat, ist unglaublich, und wie sich die Griech*innen an den schwierigen Neuanfang gemacht haben, absolut beeindruckend.

Erschienen bei Ch. Links.

Mely Kiyak, Frausein

Gleich noch ein Sachbuch, weil’s so schön war! Mely Kiyak erzählt sehr offen und klug davon, was Frausein für sie bedeutet, wie ein Frauenleben geprägt ist von Herkunft, Klasse, Kultur und Familie. Und davon, wie sie als Frau ihren eigenen Weg fand – mit den Erwartungen anderer ringend, aber am Ende doch nur sich selbst verpflichtet.

Erschienen bei Hanser.

Alena Schröder, Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Das Leben der 27-jährigen Hannah dümpelt ziellos vor sich her, bis sie bei ihrer Großmutter einen Brief aus Israel findet, der diese als Erbin eines verschollenen Kunstvermögens ausweist. Die Oma will nicht darüber reden, dabei wusste Hannah bisher nicht einmal was von möglichen jüdischen Wurzeln. Also beginnt sie, auf eigene Faust zu recherchieren. Mochte ich, vor allem die Rückblicke in die zwanziger und dreißiger Jahre, aber so richtig, richtig gepackt hat es mich nicht. Vor allem hätte ich mir ein etwas raffinierteres Ende gewünscht. Nichtsdestotrotz gute Unterhaltung.

Erschienen bei dtv.

Da ich sowohl das Buch von Elizabeth Gilbert als auch das von Raphael Geiger doppelt habe, verschenke ich je ein Exemplar. Bei Interesse einfach einen Kommentar hier oder auf Facebook/Instagram/Twitter hinterlassen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

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