Queen of Koukaki

Im August ging es mir nicht gut. Mehrere Wochenenden, in denen das Wetter nicht mitspielte, sich keine Verabredung ergab und ich drohte, im eigenen Sumpf zu versinken. Warum bin ich allein? Warum fällt nur mir es so schwer? Hab ich meine „guten Jahre“ vergeudet? Määähhh …

Zwischen Tränen habe ich mich zusammengerafft und überlegt, was mir gut tun würde. Und die Antwort war leicht: Griechenland. Doof nur, dass ich keine Urlaubstage mehr übrig hatte, denn im November sollte es ja nochmal eine Woche auf den Nordatlantik und nach Island gehen. Määähhh – da wäre es ja kalt und dunkel (talking about Jammern auf SEHR hohem Niveau).

Dennoch … Irgendwas musste passieren, um mich aus meinem Jammertal zu holen. Und dann machte es klick: mobiles Arbeiten. Wenn uns die letzten anderthalb Jahre etwas Gutes beschert haben, dann doch, dass sich in gewissen Jobs von überall arbeiten lässt. Wäre es nicht vorstellbar, dass ich mein Laptop in der zweiten Oktoberhälfte einfach in Griechenland aufklappe?

Also Kalender gecheckt: Was liegt an? Oh, Buchmesse. Damn … Wobei? Vom Verlag gab’s die Ansage, dass nur wenige von uns nach Frankfurt fahren sollten. Alle meine Termine würden online stattfinden. Und wenn ich im Meeting der Rights Dame eines großen amerikanischen Verlags ins Schlafzimmer gucke, würde sie es wohl kaum stören, dass ich in einem Airbnb in Athen und nicht in meinem Büro in Hamburg sitze.

Meine unnachahmliche Patentante sagte am Telefon, als ich ihr von dem Plan erzählte: Aber nicht nur Spaß haben! Das pikste kurz, weil es mich genau da packte, wo ich mich selbst fragte: Was, wenn meine Chefinnen denken, dass ich mir einen faulen Lenz mache? Aber dann klopfte ich mir auf die Brust und sagte ihr (und mir): Weißt du was, meine Chefinnen wissen, dass sie sich hundertprozentig auf mich verlassen können. Und genau deshalb geht das. Weil ich meinen Job liebe. Ich muss in den nächsten zwei Wochen ein Manuskript redigieren, auf das ich mich sehr freue. Ich hoffe, dass die Buchmesse mir noch einigen guten Lesestoff in den Posteingang spült. Ich muss mir für die Bücher im nächsten Programm Titel überlegen. All das mach ich sehr gerne – und womöglich sogar mit mehr Verve im sonnigen Athen als im grauen Hamburg. (Chefinnen, lest ihr mit?)

Es gibt manchmal nicht viel, auf das ich stolz bin (okay, ich schwimme im Urlaub von Insel zu Insel, aber wie oft will ich die Geschichte noch erzählen?), aber worüber ich wirklich froh bin, ist meine Fähigkeit, mich am eigenen Schopf aus der Grütze zu ziehen. Mich darauf zu besinnen, was alles gut ist in meinem Leben, was ich habe, und das Beste daraus zu machen.

Diese Zeilen schreibe ich also von der Dachterrasse im 5. Stock von Koukaki, im Herzen Athens, die ich für zwei Wochen gegen meinen Balkon auf St. Pauli getauscht habe. Mit einem Dauergrinsen im Gesicht …

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