Vier Bücher, die ich diesen Sommer gern gelesen habe

Als Ende Mai die Nachricht vom grausamen Tod George Floyds uns erschütterte und am 2. Juni mein Instagram-Feed für einen Tag schwarz wurde, stellte ich mich vor mein Buchregal und fragte mich, wie es denn dort um schwarze Stimmen bestellt war. Die Antwort war beschämend und wenig überraschend: Zadie Smith, Teju Cole – nicht viele mehr. Diesen Sommer gesellten sich nun vier neue Autorinnen dazu. Ein Anfang. Und ich freue mich über weitere Empfehlungen in den Kommentaren!

Regina Porter, Die Reisenden

Zwei Familien, eine schwarz, eine weiß, von der Bürgerrechtsbewegung bis in die Obama-Jahre. Die Geschichte beginnt, als Agnes und ihr Freund auf der Heimfahrt von einem Date von einem weißen Polizisten angehalten werden. Sie überleben, aber ihr Leben ist danach ein anderes. Ein vielschichtiges, spannendes Familienepos. Im Februar bei S. Fischer erschienen.

Britt Bennett, The Vanishing Half

Die Zwillingsschwestern Stella und Desiree wachsen gemeinsam in einem kleinen Ort in Louisiana auf, in dem die Bewohner stolz auf die helle Haut ihrer Kinder sind. Mit sechzehn hauen die beiden gemeinsam nach New Orleans ab, kurz darauf trennen sich ihre Wege. Stella nimmt einen Job an, für den sie sich als weiß ausgibt, lernt einen Mann kennen und verschwindet von einem Tag auf den anderen. Desiree dagegen kehrt Jahre später mit einer dunkelhäutigen Tochter in ihren Heimatort zurück. Erst nach Jahrzehnten kreuzen sich ihre Wege über die nächste Generation.

Eine absolut mitreißende Geschichte zweier Emanzipationen: von Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht. Gerade bei Rowohlt erschienen.

Kiley Reid, Such A Fun Age

Emira weiß nach dem Studium nicht so recht weiter und jobbt als Babysitterin für eine weiße Familie. Als sie eines Abends spät mit der kleinen Tochter im Supermarkt unterwegs ist, wird sie vom Security Guard festgehalten. Alix, die Mutter, die ihr Geld als Influencerin verdient, ist schockiert und beschließt, sich mit Emira zu befreunden und ihr „zu helfen“. Die Geschichte läuft auf einen großen Crash zu, und das ist bisweilen gruselig, vor allem aber sehr unterhaltsam zu lesen.

Auf der Longlist für den Booker Prize 2020.

Bernadine Evaristo, Girl, Woman, Other

Erzählt die Geschichte von zwölft sehr unterschiedlichen Frauen in Großbritannien. Zwölf Frauenleben, über ein Jahrhundert hinweg, die mal parallel laufen, sich mal kreuzen, mal nur leicht berühren. Von der ersten schwarzen Frau in einem englischen Dorf bis zur emanzipierten, unkonventionellen lesbischen Dramaturgin, die an einem großen Londoner Theater spät einen Erfolg feiert. Ich hab’s verschlungen! Und musste die ganze Zeit an meine Mutter denken, der ich das wahnsinnig gern zu lesen gegeben hätte. Und bitte nicht davon abschrecken lassen, dass der Text ohne Punkte auskommt! Mich hat das absolut nicht gestört. Dafür gibt es Absätze.

2019 mit dem Booker Prize ausgezeichnet.

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